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Kultur
08/04/2012

Die Fortsetzung der Zauberflöte in Salzburg

Nicht jede Ausgrabung ist ein Schatz. Die Premiere von "Das Labyrinth" lieferte am Freitag den Beweis, möge es wieder 200 Jahre ruhen.

von Gert Korentschnig

Der "Zauberflöten"-Abklatsch von Emanuel Schikaneder und Peter von Winter wurde in Salzburg zur riesengroßen Enttäuschung. Mit den Fortsetzungen ist das ja so eine Sache: "Rocky II" ist schlechter als das Original. Von "Piraten der Karibik, Teil 4" gar nicht zu reden.
Hier haben wir es aber qualitativ bestenfalls mit "Rocky VIII" zu tun. Oder nein: "Das Labyrinth oder Der Kampf mit den Elementen" ist so, als würde Ed Wood "Citizen Kane" neu verfilmen.

Der Komponist Peter von Winter (1754 –  1825) ist ein ähnliches Wagnis eingegangen, als er 1798 auf Druck von Schikaneder, dem Librettisten der "Zauberflöte", dessen Aufguss der Geschichte von Sarastro und der Königin der Nacht, von Tamino und Pamina, von Papageno und Papagena herausbrachte. Mozart weiterzuführen? Muss schiefgehen.

Zäh

Von Winter übt sich als Kopist, in dem er immer wieder ein paar Mozart’sche Motive einstreut. Der Rest ist langweilige, zähe Gebrauchsmusik, fast zum Mitschunkeln. Die angeblich in der Partitur befindlichen Innovationen muss man sich dazudenken. Wenn es damals schon Großkaufhäuser gegeben hätte, wäre das die ideale Musik dafür gewesen.

Das Libretto von Schikaneder – Papageno findet seine Familie, Pamina wird von ihrer Mutter entführt, um sie mit einer neuen Figur namens Tipheus zu verheiraten – ist wirr und übel konstruiert. Fast wie bei einer Telenovela. Es ist kein Wunder, dass dieses Werk 200 Jahre lang mehr oder weniger verschwunden war. Es sei ihm herzlich eine weitere Ruhepause gegönnt.

Leider ist das Dirigat von Ivor Bolton am Pult des Mozarteumorchesters ähnlich inspirierend. Und die Besetzung bietet großteils Mittelmaß. Der komödiantische Thomas Tatzl als Papageno und die quirlige Regula Mühlemann als Papagena sind ebenso erfreuliche Ausnahmen wie Michael Schade als anderorts bewährter Tamino. Malin Hartelius ist als Pamina völlig überfordert, Julia Novikova eine blasse Königin der Nacht, Clemens Unterreiner eine seriöse Besetzung für Tipheus, Klaus Kuttler für den Monostatos.

Die Regie von Alexandra Liedtke im neuerdings überdachbaren Residenzhof (Choreografie: Ismael Ivo) ist kreativ und macht wohl das Maximum aus dem Stoff, die Bühne (Raimund Orfeo Voigt) bietet feine Lichtspiele. Man sieht eine Mischung aus Volksstück und Märchen und hört – ein großes Nichts.

KURIER-Wertung: ** von *****

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