© Anna Stöcher / Burgtheater

Kultur
05/08/2012

Die Burgtheater-Stars von morgen

Kritik: Schnörkellos und kitschfrei inszeniert Peter Raffalt "Yellow Moon". Da ist nicht nur der Mond, da sind zwei neue Sterne am Theaterhimmel aufgegangen.

von Michaela Mottinger

Die Story von Stagger Lee, dem Messerstecher, haben viele besungen. 1928 Mississippi John Hurt als Blues, 2009 Nick Cave als düsteres Chanson. Auch der Edinburgher Autor David Greig hat sich des Stoffs angenommen. Sein Stück "Yellow Moon: Die Ballade von Leila und Lee" wurde zur ersten "Koproduktion" von Junger Burg und Burg im Vestibül des Hauses.

In der Regie von Peter Raffalt spielen Sophie-Christine Behnke und Tino Hillebrand ein junges Paar auf der Flucht. Sie, die muslimische Leila, vor ihrem Selbsthass, der sie zwingt, sich mit Rasierklingen zu ritzen. Er, weil er seinen Stiefvater erstochen hat. Der wollte Stag Lee im Streit die Mütze vom Kopf reißen – das letzte Geschenk von Lees echtem Dad.

So beginnt die letale Lovestory, ein Roadmovie durch die schottischen Highlands.

Raffalt nützt die Intimität des Vestibüls, lässt seine Darsteller mitten unter den Zuschauern spielen. Was manchmal ein rasches Einziehen der Beine nötig macht.

Doch Leila und Lee sind nicht die einzigen zerstörten Existenzen, die hier ihrem Ende entgegentaumeln. Neben ihren jugendlichen Kollegen brillieren Dirk Nocker erst als prügelnder Stiefvater, dann als geheimnisvoll-gefährlicher Wildhüter. Und Petra Morzé erst als Lees alkoholkranke Mutter, dann als überdrehte Promi-Besitzerin einer Waldlodge.

Greig lässt seine Figuren außer ihren Text vortragen, auch Umstände beschreiben, Zustände besprechen. Schnörkellos und kitschfrei. Da ist nicht nur der Mond, da sind zwei neue Sterne am Theaterhimmel aufgegangen.

KURIER-Wertung: **** von *****

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