Kultur
09.03.2014

Die Bretter, die das Geld bedeuten

Die Burgtheater-Affäre verstellt den Blick auf drängende Subventionsfragen.

Es gibt in der Burgtheater-Affäre wahrlich keinen Mangel an Berichten, Schuldzuweisungen und Unschuldsbeteuerungen. Die wichtigste Frage aber stellt sich nur zwischen den Zeilen, und sie kennt wohl keine richtige Antwort: Wie viel dem Land in Zukunft der Traum vom Theater, von der Kultur wert sein kann und wert sein wird.

Denn in diesem Bereich wird seit eineinhalb Jahrzehnten gespart: Die Subventionen für Bundesbühnen und -museen bleiben Jahr für Jahr mehr oder weniger gleich. Und haben so u. a. durch Inflation weit mehr als ein Drittel ihres Wertes verloren. Die im besten Fall hilflose Reaktion im Burgtheater auf den dadurch erhöhten Finanzdruck verstellt die Sicht: Nämlich darauf, dass Sparmaßnahmen Fragen aufwerfen, die Antworten von der Kulturpolitik, den Künstlern und der Öffentlichkeit verlangen.

Es ist ein Dilemma, das sich durch die Burg-Affäre zieht: Bei einer Theater-Aufführung lassen sich zwar die Kosten, aber nicht der Wert in Zahlen fassen. Und so empört sich Burgtheater-Chef Matthias Hartmann über Journalisten-Fragen nach Aufführungskosten, als wäre dies der Hinweis auf eine schmutzige Seite der Kunst. Festgefahrene Meinungen kollidieren: Hier der anderswo längst ausgeträumte Traum von der ausfinanzierten Kunst; dort ein als notwendig erachteter Spargedanke.

Direktorenzwist

Die Auswirkungen des Sparens lassen sich längst nicht mehr schönrechnen. Auch wenn Hartmann dies versucht hat: Er rechnete vor, dass bei Anwendung der aktuellen Bilanzierungsmethoden das Burgtheater besser dastehe als unter seinem Vorgänger Nikolaus Bachler.

Bachler warf daraufhin Hartmann "Tricks und Feigheit" vor: Hartmann versuche durch "Zahlenspielerei" zu vermeiden, Verantwortung zu übernehmen.

Angesichts derartigen Getöses scheint es umso schwieriger, eine heikle Diskussion ohne Tabus und ohne Vorurteile zu führen: Nämlich jene, welche Auswirkungen ein Land zu erwarten hat, wenn es an der Kultur spart.

Hier hat jeder eine Meinung – Kunstfreunde empört alleine der Gedanke; aus kunstfeindlich Gesinnten quellen eingelernte Vorurteile heraus.

Dennoch: Die Frage stellt sich derzeit neu, und aktuell wie nie, es ist eine viel tiefer gehende als jene, was an der Burg schiefgelaufen ist. Und sie müsste dringend beantwortet werden.

Die Finessen eines "Sanierungsfalles"

Er war "gern und erfolgreich" in Bochum Intendant, und er war "nicht so gern, aber erfolgreich" in Zürich, soll Burgtheater-Direktor Matthias Hartmann laut FAZ über seine früheren Jobs gesagt haben. Wie er seine Zeit in Wien resümieren wird?

Den Ruf als Macher, als der er in Wien angetreten ist, den bestätigte Hartmann in Bochum sehr wohl. Er stellte den Abonnenten-Rekord von Claus Peymann ein, lockte mit Stars wie Harald Schmidt und Helge Schneider ins Theater.

Für seine "Menschenfeind"-Inszenierung mit Michael Maertens standen die Leute Schlange, um Karte zu ergattern. Der Jubel innerhalb der Fachkritik war nie einhellig. Lag doch die künstlerische Latte in Bochum sehr hoch. Immerhin waren dort Claus Peymann und zuvor Peter Zadek tätig. Vielleicht zu Unrecht wurde Hartmann Oberflächlichkeit nachgesagt. Aber er galt, wo er auch war, als begnadeter Strippenzieher. Nun kann es aber sein, dass Hartmann seine Managerqualitäten etwas zu sehr unterstreicht. So sagte er kürzlich in einem Interview mit der APA, er habe in Bochum und Zürich"zwei Sanierungsfälle als Theater geerbt, beide saniert und in einer hervorragenden Situation zurückgelassen." Sein Vorgänger Leander Haußmann wies das zurück.

"Es gab nichts zu sanieren", sagt auch der Bochumer Stadtdirektor Michael Townsend auf KURIER-Anfrage. Als Hartmann als Intendant anfing, war das Schauspielhaus Teil der Stadtverwaltung. Die kümmerte sich um die finanzielle Seite. Er hatte von seinem Vorgänger ein Haus übernommen, das künstlerisch sehr gut, von der Auslastung her aber verbesserungswürdig war. Um sich mehr Durchsetzungsmöglichkeiten zu verschaffen, strebte Hartmann eine Strukturveränderung an. Er wollte das Schauspielhaus zur GmbH machen, herauskam eine "Anstalt öffentlichen Rechts" – ähnlich einer GmbH, allerdings ist die öffentliche Hand finanzieller Ausfallsbürge.

"Hartmann ist es gelungen, die Auslastung zu erhöhen. So gesehen war er ein populärer Intendant. Die angestrebte Verselbstständigung des Hauses erfolgte jedoch aus Gründen der politischen Durchsetzbarkeit mit einer strukturellen Unterfinanzierung. Ein Problem, das Jahre später erheblichen finanziellen Korrekturbedarf auslöste", so Townsend.