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Die Antwoord
02/03/2012

Pop-Phänomen aus Südafrika

Eine außergewöhnliche Band aus Südafrika präsentiert mit ihrem neuen Album "Ten$ion" ein ebenso außergewöhnliches Stück Popmusik.

von Mathias Morscher

2009 begann in Südafrika etwas, das sich zu einem weltweiten Musik-Phänomen entwickelte: Die Antwoord. Eine Band, die mit einer Soundmischung aus 90er-Techno, Trance und Rap in kürzester Zeit auf Blogs gefeiert und von den großen Plattenfirmen umworben wurde. Gut, nur der Sound alleine war es nicht, es war das Gesamtkunstwerk, das die drei Mitglieder mit ihren Alter Egos, dem eigenwilligen Sound und ihren verstörend wie guten Videos kreiert.

Da wäre der Rapper Ninja, der mit ausgewaschenen, schlecht gestochenen Tattoos, Goldzähnen und Proll-Image irgendwie wie ein Junkie wirkt. Mit einer kindlichen Stimme, bedenkenswert dünn und meist psychotisch dreinschauend steht ihm die Sängerin Yo-Landi Vi$$er zur Seite. Für den Sound sorgt DJ Hi-Tek, der sich im Hintergrund hält aber durch sein starkes Übergewicht auffällt. Ihre Musikkreation tauften sie passend "zef-rap-rave". "Zef" bedeutet auf Afrikaans, die Sprache der weißen Minderheit in Südafrika, so viel wie "Prolet". Die Texte, die irgendwo zwischen Sozialkritik und Satire einzuordnen sind, rappen und singen sie auf Englisch oder Afrikaans. Das klappte schon auf dem 2009 auf ihrer Website vertrieben Album "$O$" und funktioniert auch auf "Ten$ion" sehr gut, auch wenn man nicht immer alles versteht.

White Trash aus den Ghettos von Südafrika?

Dass sich die Band nicht tatsächlich aus den White-Trash-Ghettos von Südafrika kommt, war ziemlich schnell klar. Zu professionell waren die Aufnahmen und Videos, zu gut und vor allem zu originell die Selbstinszenierung. So war Frontman Ninja, der bürgerlich auf den Namen Watkin Tudor Jones hört, bereits vor Die Antwoord ein bekannter Künstler und Komiker in Südafrika. Diese Selbstinszenierung kann man der Band allerdings nicht vorwerfen, auch wenn es ihr von vielen Seiten den Ruf als Fake einbrachte. Aber sie macht Pop und gerade in diesem Genre ist dies nichts Ungewöhnliches. Lady Gaga macht es, Lana Del Rey auch und David Bowie hat es schon sehr früh getan.

Durchgeplant: 5 tätowierte Punkte = 5 Alben

Die Karriere von Die Antwoord scheint seit dem ersten Tag an durchgeplant gewesen zu sein. Ninja sagte 2010 in einem Interview mit demart-Magazin: "Wir werden insgesamt fünf Alben veröffentlichen, deshalb habe ich mir auch fünf Punkte auf die Hand tätowiert. Das erste Album heißt "SOS" – weil, wenn uns das jetzt verdammt noch mal nicht rettet, sind wir gefickt. Das zweite Album werden wir "Tension" nennen. Denn wenn es einmal geknallt hat, geht es darum, diesen Moment, die Kraft und Energie zu erhalten. Die dritte CD wird das Soloalbum von Yo-Landi mit dem Titel "The Voice", gleichzeitig erscheint dann auch mein Soloalbum "The Dominator". Und das fünfte Album wird ein Epilog."

Ten$ion

Auf dem gerade erschienen Album "Ten$ion" feiert sich Die Antwoord wieder selbst. Es beginnt ungewohnt hymnisch mit sanften Streichern bevor der Satz "I`m indestructable" eine kleine Dubstep-Welle los tritt und Ninja mit seiner verschrobenen, penetranten Stimme "I`m a motherfuckin` ninja." rappt.

Anschließend besinnt sich die Band wieder auf ihre Wurzeln, mischt schrecklichen 90er-Jahre Techno-Trash mit ihren Raps und kreiert so ihren eigenen Sound, den mag eigentlich verabscheuen möchte, der aber doch so ins Ohr geht, dass man ihn plötzlich irgendwie mag. Schlussendlich kann man nur dem zweiten Song und seinem Text "I fink u freeky and I like you a lot" zustimmen.

"Ten$ion” ist nicht unbedingt ein schönes Album aber es ist definitiv ein außergewöhnliches Stück Popmusik, das sich anzuhören lohnt.

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