Kultur
04.07.2017

Die Angewandte durchwirbelt die Normalität

Bis 11. Juli zeigt die Jahresschau "The Essence" engagierte Kunst in spezieller Atmosphäre.

Die Frage, wann die Kunst "angewandt" ist und wann sie einfach nur Kunst sein darf, wäre wohl schon Stoff für mehrere Semester intensiver Auseinandersetzung. Wer die Universität für Angewandte Kunst Wien nicht aus der Innenperspektive kennt, ihre Aktivitäten aber gelegentlich verfolgt, weiß, dass dort Fachdiskurse und anwendungsbezogene Forschungen Hand in Hand gehen – ein arkanes Kunstprojekt kann im nächsten Moment schon Tech-Start-Up sein und umgekehrt.

Die traditionelle Jahresausstellung "The Essence" bietet die beste Gelegenheit, in diesen Zwischenraum von Experiment und Praxis einzutauchen. Heuer findet die Zusammenschau (Di – Sa 14– 18 Uhr, Do 14 – 21 Uhr, So/Mo geschlossen) zum letzten Mal in der Alten Post auf der Dominikanerbastei statt – noch heuer soll der Umbau zu einem Luxus-Palais starten.

Das "Social Design Studio" hat hier eingehakt und das Gebäude nach Wiederverwertbarem durchforstet: Waschtische, Türen oder Lampen sind nun in einem Schauraum versammelt und sollen Anstoß zu nachhaltiger Nutzung liefern.

Umgraben!

Generell zieht sich die Vermählung hergebrachter Ideale und neuer Technik durch die Schau. So hat etwa Maximilian Lackner aus der Klasse Industrial Design (Prof. Anab Jain) Geräte zum Verteilen von Pollen oder zum Umstechen des Bodens ersonnen, die sich ein Wanderer auf die Füße schnallen kann: Die Fitnessgesellschaft soll so "Wildnis im Anthropozän" ermöglichen.

Spektakulär und visionär sind auch die Entwürfe der Architekturklassen, die sich stark um den Erhalt öffentlicher Räume sorgen – so etwa in mehreren Modellen der Klasse von Hani Rashid. In den Räumen der Klasse Digitale Kunst (Prof. Ruth Schnell) lädt eine Virtual-Reality-Brille in eine Simulation von Bobby Rajesh Malhotra, die dem Auf und Ab des Ölpreises folgt : Eine schwindelerregende Achterbahnfahrt im abgewohnten Post-Bau. An der Kompetenz, aktuelle Themen sinnlich erfahrbar zu machen, mangelt es dieser Uni jedenfalls nicht.