Kultur
03.11.2017

Die 100 wichtigsten Personen der Kunstwelt

Medienkünstlerin Hito Steyerl führt das Ranking der Zeitschrift "Art Review" an.

Es ist die Liste, die angeblich niemand ernst nimmt und die doch jeder ernst nimmt: Jedes Jahr kürt das Magazin "Art Review" die 100 einflussreichsten Personen der Kunstwelt. Diesmal wird das Ranking von der deutschen Medienkünstlerin und Theoretikerin Hito Steyerl angeführt - sie hatte im Vorjahr Platz 7 belegt.

Steyerl verbindet seit vielen Jahren künstlerische Praxis mit kritischer Theorie. Digitale Beschleunigung, Überwachung und Virtualisierung sind seit langem Themen ihrer Arbeit. Ein breites Publikum sah etwa ihre Installation "Factory of the Sun" im deutschen Pavillon der Venedig-Biennale 2015; sie war später auch in derKunsthalle Wienzu sehen.

Kopflastige Liste

Generell lässt das diesjährige Ranking einen verstärkten Hang der Kunstwelt zu mehr Theorie und politischem Engagement erkennen. So sind als prominente Neuzugänge der Philosoph Bruno Latour (Platz 9) und die Gender-Theoretikerin Judith Butler (Platz 48) verzeichnet. Adam Szymyzyk, Chef der kontroviersiell diskutierten documenta 14, hielt sich auf Platz 4 hinter der Theoretikerin Donna Haraway, die von Rang 43 auf den Stockerlplatz 3 aufrückte. Szymczyks Co-Kurator Bonaventure Soh Bejeng Ndikung wurde auf Platz 96 neu in die Liste aufgenommen.

Etwas an Profil verloren haben der Star-Kurator Hans Ulrich Obrist, der von Platz 1 auf Platz 6 rutschte, sowie die Star-Galeristen Iwan & Manuela Wirth (von Platz 3 auf Platz 7) und Larry Gagosian (Platz 6 auf Platz 15). Als einziger Österreicher ist erneut Thaddaeus Ropac gelistet, er belegt Platz 65 (im Vorjahr: 69).

Unter den Künstlern schaffte es der ebenfalls sehr theorie-getriebene Belgier Pierre Huyghe von Platz 24 auf Platz zwei; als Neuzugänge sind u.a. Kara Walker (56) und Kerry James Marshall (68) zu bemerken - beides afroamerikanische Künstler, die zuletzt mit großen Ausstellungen international reüssierten.

Zusammengestellt wird die Liste jedes Jahr von der "Art Review"-Redaktion in Austausch mit einem Kreis von Kritikern und Analysten der Kunstwelt. Aussagekräftiger als einzelne Platzierungen ist dabei wohl der generelle Eindruck: Aus der Liste lässt sich ablesen, ob es die Einflussreichen der Kunst mehr zum Markt oder zum Aktivismus, zur Theorie oder zur direkten künstlerischen Praxis zieht.