Kultur
17.03.2018

Diagonale: Großer Preis an "Murer"-Gerichtsfilm

Großer Preis für besten Spielfilm an "Murer – Anatomie eines Prozesses" von Christian Frosch; beste Doku ist Nikolaus Geyrhalters "Die bauliche Maßnahme".

Mit seinem packenden Gerichtssaal-Drama "Murer – Anatomie eines Prozesses" lieferte Christian Frosch einen kraftvollen Auftakt der diesjährigen Diagonale in Graz. Und er wurde am Ende des österreichischen Filmfestivals mit dem Großen Diagonale-Preis für den besten Spielfilm belohnt. Völlig verdient ging damit die Auszeichnung an die emotional mitreißende Verfilmung eines haarsträubenden Gerichtsprozesses, bei dem der ÖVP-Lokalpolitiker Franz Murer, berüchtigt als "Schlächter von Vilnius", von seinen Kriegsverbrechen freigesprochen wurde.

Der Große Diagonale-Preis für den besten Dokumentarfilm ging an den versierten Regisseur und Produzenten Nikolaus Geyrhalter. In dessen sorgfältiger Doku "Die bauliche Maßnahme" lotet Geyrhalter feinfühlig die Stimmung der Bevölkerung aus, als es im Frühjahr 2016 darum geht, die grüne Brenner-Grenze gegen Asylanten zu sichern: "Die Heimat verlasst niemand gern", sagt da ein nachdenklicher Tiroler: Wer vor Gewalt flüchten muss, vor "dem braucht man sich normalerweise nicht fürchten".

Keine Angst

Doch nicht nur im Kino, auch im Fernsehen macht man sich Gedanken über Grenzen. Auf internationalen Großfestivals wie in Cannes und Venedig wird bekanntlich schon länger über das Verhältnis von Film und Fernsehen nachgedacht. Auch im Rahmen der Diagonale findet alljährlich eine ORF-Premiere statt, anlässlich derer der starke Zusammenhalt zwischen dem öffentlich-rechtlichen Sender und der österreichischen Filmwirtschaft bekräftigt werden soll. Unter dem Titel "Grenzland" präsentierte der ORF seinen neuen "Landkrimi" mit Schauplatz Burgenland.

Marvin Kren, Spezialist für Horror-Kino wie "Blutgletscher" und TV-Serien-Macher von "4 Blocks", übernahm die kompetente Regie eines – gelinde gesagt – hanebüchenen Drehbuchs, in dem blutsuchende Burgenländer gegen mordverdächtige Asylanten ausgespielt werden.

Krens patente Mutter Brigitte übernimmt die Hauptrolle als resolute Oberinspektorin und erinnert in ihrer reschen Art an die "Bulle von Tölz"-Mama Ruth Drexel. An ihrer Seite stümpert ein Dorfpolizist namens Boandl und bringt mit seiner Inkompetenz beinahe den Fall zum Erliegen. In Krens großmächtig angelegten Landschaftsbildern spürt man die Sehnsucht nach der großen Leinwand, und nur langsam entrollt sich die Handlung. Es sind genau diese erzählerischen Zwischenräume, in denen Kren seine lustige Mutter und deren witziges Helferlein zum Blühen bringt und den krausen Krimi mit lokalem Pep aufmuntert.

Was einen guten Polizisten ausmacht, verhandelte auch das muskelschwere Drama "COPS" von ISTVAN aka Stefan A. Lukacs, mit dem eine starke Diagonale ins Finale ging. Bereits sein Kurzfilm "VOID" erzählt von der brutalen Misshandlung des Asylwerbers Bakary J. durch einen WEGA-Beamten, im Langfilm-Debüt "COPS" stehen die grimmigen Einsatzmethoden der Sondereinheit im Mittelpunkt. Die psychologisch feine Klinge ist ISTVANS Stärke nicht, stattdessen geht es spektakulär und reißerisch zur Sache. Doch Laurence Rupp als auftrainierter Elite-Polizist mit Trauma-Erfahrung macht seine Sache mehr als gut. Und was haben wir gelernt? "Die Welt ist kein Actionfilm."