Ehe in der Krise: Ulrike Beimpold und Rainer Wöss in "Superwelt".

© /Thimfilm

Diagonale
03/15/2015

Ulrike Beimpold: Damenturnen nur einmal die Woche

Karl Markovics’ "Superwelt" eröffnet die Diagonale – mit Ulrike Beimpold in ungewohnter Rolle.

von Alexandra Seibel

Ulrike Beimpold spricht mit Gott – in ihrer Rolle als Supermarktkassiererin Gabi Kovanda in Karl Markovics’ zweitem Spielfilm, "Superwelt". Man kennt die vielseitige Wiener Schauspielerin vor allem als Comedienne ("Was gibt es Neues?") und als Stimme von "Schweinchen Babe". Doch in "Superwelt" ist alles anders.

KURIER: Sie spielen eine Supermarktangestellte, die plötzlich Gottes Stimme in ihrem Kopf hört. Was ist das für eine Frau?

Ulrike Beimpold: Sie ist eine Frau, die es ganz oft zu sehen gibt. Eine Frau, deren Leben in geregelten Bahnen verläuft, die zwei Kinder zur Welt gebracht hat, jeden Tag arbeiten geht und an die fünfzig Jahre alt ist. Ich finde es toll, dass ein Mann ein Buch über eine Frau schreibt, die jenseits der 40 ist und auch eine Kleidergröße jenseits der 40 hat. Denn so etwas ist sehr unpopulär: Wir alle wollen immer jung und sportlich sein.

Wußten Sie, wie man an der Supermarktkasse arbeitet?

Meine Schwester hat einen Sparkmarkt in der Steiermark. Ich wollte die Arbeit wirklich spüren und habe einen Tag lang bei ihr Kassendienst gemacht. Jeder Handgriff musste sitzen.

Sie kennen keine Eitelkeit beim Spielen?

Überhaupt nicht. Ich habe für den Film 12 kg zugenommen – zehn habe ich schon wieder herunten (lacht). Wenn man sich in eine Person energetisch hinein spürt, muss man sich fragen: Wie ist das, wenn ich stundenlang an der Kassa sitze, mir nur einmal die Woche Damenturnen leiste, zu Hause koche, zwei Kinder geboren habe? Wie fühlt sich das körperlich an? Ich habe also den Sport ausgelassen, abends die berühmten Kohlenhydrate gegessen – das verändert den Körper. Und das habe ich zugelassen – bis hin zum Watschelgang. Da bin ich komplett uneitel.

Karl Markovics erzählte, er hätte die Idee zu dem Film gehabt, als er eine Kassiererin beobachtete, wie sie das Förderband reinigte und dann ins Leere starrte.

Meine Figur, die Gabi Kovanda schaut nicht ins Leere, sie schaut nach Innen. Dabei ist es beim Spielen wichtig, dass man die Gedanken in Fluss hält – denn das Interessante ist ja, dass sie einen inneren Dialog mit Gott führt.

Gab es Texte dafür?

Nein, nur was der Zuseher hört. Was Gott zu ihr sagt, stand nirgends geschrieben.

Klingt schwierig.

Gar nicht, das war wunderbar. Weil es mir die Freiheit gab, meinen eigenen inneren Monolog mit Gott zu führen. Und weil ich glaube, dass Gott für jeden persönlich etwas anderes bedeutet.

Was bedeutet Gott für Sie?

Ich für mich weiß, dass es mehr Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, als unsere Schulweisheit sich träumen lässt, wie es im "Hamlet" so schön heißt. Ich glaube, es gibt eine göttliche Energie, die alles miteinander verbindet.

Man kennt Sie in erster Linie als Comedienne, weniger als dramatische Schauspielerin. Ist Ihre Rolle in "Superwelt" insofern überraschend?

Für das Publikum eröffnet es eine neue Perspektive, aber ich kenne diese Seite sehr gut an mir. Dass die Leute über mich denken, bei der ist eh alles immer so fröhlich und lustig – das ist eine Entscheidung von mir, das ist nichts, was mir in die Wiege gelegt worden ist. Meine Mutter ist an Krebs gestorben, da war sie 58 und ich 30 Jahre alt. Da wusste ich, es gibt kein Auskommen mehr, ich muss mich mit anderen Dingen beschäftigen, um nicht an diesem Schmerz zu zerbrechen. Drei Monate vor Drehbeginn von "Superwelt" starb dann mein Vater... Der Film gibt mir die Möglichkeit, auszuleben, was in mir ist, und auch eine andere Seite von mir zu zeigen: Wir sind nicht immer nur lustig, wir sind aber auch nicht immer nur traurig.

Apropos lustig: Warum ist Comedy eigentlich immer noch so eine Männerdomäne?

Ich glaube, das ist eine gesellschaftliche Sache: Der Mann macht den Witz, die Frau lacht darüber. Diese Position wird den Frauen immer noch zu gesprochen. Männer dürfen auch Witze unter der Gürtellinie machen, bei Frauen ist das verpönt. Aber ich fürchte mich nicht davor, in einer Runde von Männern etwas Lustiges zu sagen.

Sie haben schon ganz früh mit der Schauspielerei begonnen. Können Sie sich noch an Ihre erste Rolle erinnern?Natürlich! Mit 15 war ich die Peppi im "Mädl aus der Vorstadt." Aber meine allererste Rolle spielte ich am Burgtheater mit acht, im "Diamant des Geisterkönigs": Einen Pudel (lacht).Was sind Ihre nächsten Pläne?

Ich würde gerne wieder selbst inszenieren – und jetzt reizt mich das auch beim Film. Aber ich lasse die Dinge auf mich zukommen. Es gibt einen Spruch, den ich sehr mag: Wer kein Ziel hat, kann sich nicht verlaufen.

Diagonale zwischen Pariser Clubszene und "Superwelt"

Das österreichische Filmfestival Diagonale in Graz zeigt heuer bis 22. März insgesamt 157 Filme. Zum Auftakt am Dienstagabend präsentiert die scheidende Intendantin Barbara Pichler „Superwelt“ von Karl Markovics, der auf der Berlinale seine Premiere feierte.

Traditionellerweise wird am Eröffnungsabend auch der Große Schauspielpreis verliehen, der heuer an Tobias Moretti geht.

Bei den Langspielfilmen gibt es drei Uraufführungen, darunter „Lampedusa“ von Peter Schreiner. Neu sind auch „Centaurus“ von Wolfgang Rupert Muhr und der Kärntner ORF-Landkrimi „Wenn du wüsstest, wie schön es hier ist“ von Andreas Prochaska. Neben österreichischen Erstaufführungen gibt es auch einen Jahresrückblick, u. a. ein Wiedersehen mit Filmen wie „ Ich seh Ich seh“ von Veronika Franz und Severin Fiala.

Stark vertreten ist auch in diesem Jahr der Dokumentarfilm. Constantin Wulff etwa porträtiert in „Wie die anderen“ die Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie am niederösterreichischen Landesklinikum Tulln.

Die Personale ist heuer dem Dokumentaristen Nikolaus Geyrhalter gewidmet. Ein Sonderprogramm gibt es zur französischen Filmemacherin Mia Hansen-Løve, die u. a. ihren neuen Film „Eden“ über die Pariser Clubszene der 90er-Jahre vorstellt.

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