Hugo Strasser, aufgenommen im Jahr 2009.

┬ę APA/dpa-Zentralbild/Jens Kalaene

1922 - 2016
03/18/2016

Swing-Musiker Hugo Strasser gestorben

Der umtriebige deutsche Musiker starb im Alter von 93 Jahren.

Hoch betagt tourten sie von Auftritt zu Auftritt - und begeisterten ihr Publikum. Musik, das war ihr Lebenselixier. Die Swing-Legenden Max Greger, Paul Kuhn und Hugo Strasser sind nun Geschichte. Nach Kuhn und Greger ist auch Strasser gestorben.

Noch zur Beerdigung seines Freundes Max Greger im vergangenen August hatte er seine Klarinette mitgebracht. Hugo Strasser spielte live f├╝r seinen Weggef├Ąhrten: "Yesterday" von den Beatles. Der 93-J├Ąhrige hatte Tr├Ąnen in den Augen. Strasser, Greger und der 2013 gestorbene Paul Kuhn waren viele Jahre als Swing-Legenden unterwegs. Er habe nicht geglaubt, dass er als Letzter ├╝brig bleiben werde, sagte Strasser. "Der n├Ąchste bin ich."

Nun gibt es die Swing-Legenden nicht mehr. Am Donnerstag ist Strasser gestorben, ein gutes halbes Jahr nach dem Saxofonisten Greger und zweieinhalb Jahre nach dem Pianisten Kuhn. Am 7. April w├Ąre er 94 Jahre alt geworden.

Musik als Lebenselixier

Noch zu Strassers 90. Geburtstag waren die drei Swing-Legenden mit der SWR Big Band quer durch Deutschland unterwegs. "Wir sind fast ├╝berall ausverkauft", sagte Strasser damals stolz. "Es gibt meiner Ansicht nach keine bessere Medizin als dieses Erfolgserlebnis: Sie gehen auf die B├╝hne, Sie werden herzlichst willkommen gehei├čen. Es ist einfach ein wundersch├Ânes Gef├╝hl, seinen Beruf aus├╝ben zu k├Ânnen, auch in diesem hohen Alter und mit der Gewissheit: Die Leute kommen nur deshalb, weil sie das h├Âren wollen, was wir spielen."

F├╝r alle drei galt das so: Musik war ihr Lebenselixier. Greger, der 89 Jahre alt wurde und ebenfalls bis zuletzt auftrat, sagte einmal, es zwicke inzwischen schon mal hier und dort - aber auf der B├╝hne sei das alles vergessen.

Strasser wurde 1922 in M├╝nchen-Schwabing als f├╝nftes von sechs Kindern geboren. Der Vater wollte, dass er Geige lernt. Doch Strasser hatte seinen eigenen Kopf, begann eine Schriftsetzerlehre - und bekam eine Bleivergiftung. 1937 begann er sein Studium an der Akademie f├╝r Tonkunst in M├╝nchen und konzentrierte sich auf die Klarinette. Die Ausbildung endete nach drei Jahren: Strasser wurde eingezogen.

Klarinette als Lebensretter

Die Klarinette rettete ihm dann wom├Âglich das Leben. Unter den Einberufenen war eine Handvoll Musiker, sie gr├╝ndeten eine kleine Band. Die fiel dem Hauptmann auf. "Er hat sich begeistert und gesagt: Diese f├╝nf behalten wir", berichtete Strasser. Die anderen zogen an die Front, die Musiker blieben in Stettin, als "Hilfsausbilder".

Swing, die Musik von Strassers Idol Benny Goodman, war amerikanisch und somit nat├╝rlich verboten. Aber: "Es gab eine ganze Menge von deutschen Schlagern. Wenn man das Gef├╝hl f├╝r den Swing hat, swingen die auch", sagt Strasser. "Wenn der wei├če Flieder wieder bl├╝ht" oder "K├╝ss mich, bitte, bitte k├╝ss mich" - gegen solche urdeutschen Titel konnte niemand etwas einwenden.

1955 bildete Strasser sein erstes eigenes Tanzorchester. Mit seinen Platten erreichte er Millionenauflagen. Ausgezeichnet wurde er unter anderem mit zwei Goldenen Schallplatten, dem Deutschen Schallplattenpreis und dem Goldenen Tanzschuh - Tanzmusik begeisterte ihn von Anfang an am meisten. Mit 65 Jahren gr├╝ndete er das edle Quintett Hot-Five.

Gesundheitsprogramm

Keine Zigaretten, kein Alkohol, daf├╝r Wanderungen und Radfahren - das war Strassers Gesundheitsprogramm. Radeln gab er irgendwann auf, wegen der Sturzgefahr. Spazieren ging er aber regelm├Ą├čig - eine halbe Stunde, dann, so berichtete er, m├╝sse er sich hinsetzen. Auf der B├╝hne hielt er dagegen noch stundenlang durch, etwa auf dem traditionellen M├╝nchner Chrysanthemen-Ball, auf dem er an die 60 Mal spielte.

Noch im vergangenen Juli war Strasser mit Greger im Brunnenhof der M├╝nchner Residenz aufgetreten, zusammen mit dessen Sohn Max Greger junior und Enkel Maximilian.

Die gesamte Familie Greger trifft der Verlust des engen und vertrauten Freundes kurz nach dem Tod des Ehemannes, Vaters und Gro├čvaters schwer. "Im Moment finde ich gar keine Worte", sagt Max Greger junior. "Die drei Legenden gibt es nicht mehr."

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