Gerd Albrecht in einem Konzert mit der Tschechischen Philharmonie.

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1935 - 2014
02/03/2014

Deutscher Dirigent Gerd Albrecht gestorben

Der einstige Musikchef der Hamburger Oper stieß als Chefdirigent in Prag auf Gegenwind.

Er dirigierte Spitzenorchester in aller Welt und setzte sich früh für die Musikvermittlung an junge Menschen ein: Gerd Albrecht, langjähriger Generalmusikdirektor der Hamburgischen Staatsoper, ist tot. Albrecht sei am Sonntag im Alter von 78 Jahren nach langer Krankheit in Berlin gestorben, wie sein Büro am Montag mitteilte.

Der am 19. Juli 1935 in Essen geborene Musiker setzte sich immer wieder für zeitgenössischer Musik ein. Nachdem er 1988 die musikalische Leitung der Hamburgischen Staatsoper übernahm, brachte er zusammen mit dem Intendanten Peter Ruzicka viel gelobte Neuproduktionen auf die Bühne.

Dazu gehörten etwa Robert Wilsons "Parsifal"-Inszenierung, die Neuentdeckung von Franz Schrekers "Schatzgräber" und Uraufführungen etwa von Wolfgang Rihms "Eroberung von Mexiko" und Helmut Lachenmanns "Das Mädchen mit den Schwefelhölzern". Damit verschaffte sich die Staatsoper nach Meinung von Kritikern wieder einen internationalen Ruf. Dem Gespann Albrecht/Ruzicka bescheinigte die Zeitung "Die Welt" "Wagemut" und "intellektuellen Biss".

Sensation

Auf einer Japan-Tournee 1991 wurde Albrecht von den Mitgliedern der Tschechischen Philharmonie spontan zum Chefdirigenten gewählt. Die Entscheidung für einen Deutschen galt als politische Sensation. "Ihr seid doch wahnsinnig", soll Albrecht zu den Musikern nach der Wahl gesagt haben. Albrecht bekam denn auch bald Gegenwind zu spüren. Das Orchester teilte sich in Gegner und Befürworter. Auch in den Medien war die Entscheidung umstritten. Dem Festkonzert der Philharmonie zum 100. Gründungsjubiläum blieben der damalige Präsident Vaclav Havel und Ministerpräsident Vaclav Klaus demonstrativ fern. Vor dem Hintegrund der Grabenkämpfe und der nationalistischen Töne entzog Anfang 1996 das Prager Kulturministerium Albrecht die künstlerische Kompetenz für das Orchester. Der Dirigent gab seinen Rücktritt bekannt.

Begonnen hatte Albrechts Karriere mit 22 Jahren als er den Dirigierwettbewerb in Besancon gewann. Mit 27 Jahren wurde er in Lübeck Deutschlands damals jüngster Generalmusikdirektor. Danach folgten Leitungspositionen in Kassel, an der Deutschen Oper Berlin sowie beim Tonhalle-Orchester Zürich. Von 1997 bis 2007 war er Chefdirigent des Yomiuri Nippon Symphony Orchestra in Tokio und leitete von 2000 bis 2004 zusätzlich das Dänische Radio-Sinfonieorchester Kopenhagen. Er dirigierte das Bundesjugendorchester und war wiederholt bei Festivals zu Gast, so auch bei den Salzburger Festspielen.

Die Musikvermittlung an Kinder und Jugendliche war für Albrecht eine Herzensangelegenheit. Er schrieb Bücher und moderierte Konzerte für mehr als 50 TV-Produktionen und Filme. Zu seinem Vermächtnis gehört das "Klingende Museum" in Hamburg und Berlin, dessen Workshops schon tausende Schulkinder besucht haben.

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