Kultur
08.12.2014

Eine großartige Liebeserklärung an die Fantasie und das Theater

Mit "Der Zauberer von Oz" landet die Volksoper einen absoluten Hit mit Haltbarkeitsgarantie.

Da sage noch einer, Musical sei ein knallbuntes, grelles, rein oberflächliches Spektakel ganz ohne Tiefgang. Nein, es geht auch anders. Das beweist die Wiener Volksoper mit ihrer großartigen Neuproduktion "Der Zauberer von Oz", die vor allem eines ist: Ein Triumph der Fantasie und einer des Theaters.

Denn was Regisseur Henry Mason und sein kongenialer Ausstatter (was für herrliche Kostüme!) Jan Meier aus Frank Baums Roman und den Songs von Harold Arlen sowie E. Y. Harburg machen, ist einfach entzückend, hat Witz, Charme, Stil und Klasse.

Da bedarf es keines Brimboriums und auch keiner Holzhammer-Ästhetik, um die Geschichte des Mädchen Dorothy, das im Zauberland Oz allerlei Abenteuer zu bestehen hat, schnörkellos und liebevoll zu erzählen. In der stringenten, für die Royal Shakespeare Company 1987 erstellten Bühnen-Fassung ist dennoch alles da, was das Theaterherz begehrt.

Liebe zum Detail

Flotte Verwandlungen (dank unzähliger, toller Tableaus), schwungvoll-elegante Balletteinlagen (fein die Choreografie von Francesc Abós) sowie perfekt arrangierte Chor-und Massenszenen (Kompliment auch an den Kinder- und Jugendchor des Hauses) – dieser "Zauberer von Oz" besticht durch Details und ein Feuerwerk an guten Ideen.

Denn Mason und sein Team vertrauen der Vorlage, zeichnen echte Charaktere, sorgen für starke Effekte, haben auch an den Dialogen (bis auf "Over the Rainbow" wird alles auf Deutsch gesungen) sehr gut gearbeitet. Zwei, drei Längen lassen sich noch korrigieren. Der Lachfaktor ist hoch, ein paar gruselige Stellen (mit Video-Wall und Zitaten!) gibt es auch. Dennoch bleibt alles kindgerecht.

Liebe zum Spiel

Ein ideales Ambiente also, in dem Dorothy in Oz erst die böse Hexe des Ostens, danach die böse Hexe des Westens besiegt, in der Vogelscheuche, im Blechmann und im feigen Löwen wahre Freunde findet und zuletzt – auch dank der magischen roten Schuhe und des Zauberers – wieder heim und zu sich selbst findet. Der Enthusiasmus aller Beteiligten überträgt sich dabei mühelos auf das Publikum.

So ist Johanna Arrouas eine entzückende, glaubwürdige, sehr quirlige Dorothy, die auch die vokalen Anforderungen meistert. Als böse Hexe des Westens liefert der herausragende Christian Graf eine schräge Drag-Queen-Studie ab, holt sich jede Pointe.

Peter Lesiak ist eine extrem agile, stimmlich tadellose Vogelscheuche mit hohem Sympathiewert, Oliver Liebl gibt einen herzzerreißenden Blechmann, Martin Bermoser mutiert vom feigen Löwen zum (nicht uneitlen) König der Tiere. Ein tolles Trio, das in Hunde-Puppenspieler Daniel Jeroma (er bewegt Dorothys Hund Toto) den passenden Wegbegleiter findet.

Regula Rosin und Wolfgang Gratschmaier glänzen als gute Hexe Glinda und als Wächter der Smaragdstadt ebenso wie als Dorothys Verwandte; als Zauberer von Oz liefert Hausherr Robert Meyer ein komödiantisches Meisterstück ab. Dirigent Lorenz C. Aichner und das ausgezeichnete Orchester sorgen für Schwung und Sentiment. Jubel für alle Beteiligten.

KURIER-Wertung: