Kultur
29.08.2016

Der "Millennial Whoop" - gemeinsamer Nenner der Hits

Die „Oh-oh, Oh-oh“-Phrase dominiert Hits von Katy Perry bis zu Kings of Leon. Warum?

Wer sie einmal im Ohr hat, wird sie nicht mehr los: Die Tonfolge, die oft zu den Lauten „Oh - oh, oh-oh“ gesungen wird und techisch gesprochen einen Wechsel zwischen der Quint und Terz auf einer Durtonleiter darstellt.

Nicht neu, gewiss – doch wie der Musiker und Blogger Patrick Metzger argumentiert, ist die Tonfolge so etwas wie die Signatur der Popmusik der letzten Jahre geworden. Belege für seine These sammeln sich seit kurzem im Netz, wo der Begriff „Millennial Whoop“ viral geworden ist: Exemplarisch ist Katy Perrys Hit „California Gurls“, der die Melodie vielleicht an prominentester Stelle im Refrain (bei 1:05) eingebaut hat:

Der Song "It's Always A Good Time" von Owl City und Carly Rae Jepsen, ein Sommerhit im Jahr 2012, schien überhaupt nur aus "Millennial Whoops" zu bestehen:

Der Song wiederum ist dem Stück "Ah It's A Love Song" der US-Sängerin Ally Burnett sehr ähnlich, das 2010 erschien:

Wegen der ähnlichen Tonfolge brachte Burnett auch eine Plagiats-Beschwerde ein - ein Urteil gab ihr zunächst recht, wurde 2014 aber revidiert.

Vor diesem Hintergrund ist die Vermutung, die Metzger als Grund für die Hochkonjunktur des „Millennial Whoop“ angibt, interessant: In einem Umfeld, in dem erfolgreiche längere Phrasen rasch zum Plagiat gestempelt werden – man denkt an die jüngste Kontroverse zum Led-Zeppelin-Klassiker „Stairway to Heaven“ – ist die Tonfolge des „Millennial Whoop“ zu kurz und allgemein, um klar einem Komponisten zugeordnet zu werden. Daher bedient sich jeder Pop-Songbastler gern dieses effektiven Elements.

Nicht nur im Bubblegum-Pop ist die Tonfolge also zu finden - subtil im Hintergrund etwa auch im Song "Use Somebody" der Kings of Leon, wo sie dem Intro und dem Refrain (1:28) dezent eine Extra-Portion Energie verpasst:

Aus der Popmusik verschwinden wird die Tonfolge so bald wohl nicht. Ob die Generation der "Millennials" mit ihren notorisch kurzen Aufmerksamkeitsspannen einmal von einer Generation abgelöst wird, die sich für längere musikalische Motive erwärmen kann, ist eine andere Frage.