Trotzdem: Dass von Hand gemalte Kinoplakate nicht zwingend so aussehen müssen wie jene aus Minsk, zeigt Götz Valien (Bild).

© Götz Valien

Götz Valien
09/21/2012

Der letzte Kinoplakatemaler

Er ist der letzte einer fast ausgestorbenen Zunft. In Berlin malt der gebürtige Salzburger Götz Valien bis zu 9x6 Meter große Kinoplakate.

von Karl Oberascher

Ein Lieblingsplakat hat Götz Valien nicht. Bei über 3000 Kinoplakaten, die er in seiner Laufbahn als Kinomaler gemacht hat, wäre es auch schwer, ein besonderes herauszupicken. Aber er mag klare Plakate, die mit einer einfachen Idee auskommen. "Zum einen bekomme ich nicht mehr gezahlt nur weil da fünf Köpfe drauf sind und alle im karierten Hemd dastehen. Und außerdem ist meine Erfahrung, dass die Plakate nicht besser werden, nur weil das Plakat aufwendig ist. Im Gegenteil. Wie bei Filmen sind die besten Plakate auch immer die, wo jemand einen ganz klaren Entwurf der Einfachheit hatte", stellt Götz Valien im Gespräch mit KURIER.at klar. Black Swan sei so ein Beispiel. "Auf dem Plakat war nur Natalie Portmans Gesicht mit dem Riss. Das hat alles gesagt. Da braucht es keine verschwommene Stadt im Hintergrund."

Wenn das Plakat zu unruhig ist, konzentriert sich Valien einfach auf die Gesichter der Filmstars und bügelt das Motiv glatt. Schließlich gehe es um den Wiedererkennungswert. "Weil ich der letzte meiner Art bin, setze ich in der Kinomalerei ja auch den Standard."  Einer der wenigen Vorteile, wenn man einem beinahe ausgestorbenen Beruf nachgeht.

Etwa zwei Tage braucht der 52-Jährige für seine bis zu neun mal sechs Meter großen Filmplakate. Drei bis vier Wochen hängen die größten Bilder dann im Schnitt auf einem der zwei großen Arthouse-Kinos in Berlin, dem Delphi Filmpalast und dem Kino International in Friedrichshain, ehe sie wieder in Valiens Werkstatt zurückkommen. Dort werden sie mit weißer Farbe überrollt, damit das nächste Bild entstehen kann. 

"Als ich vor 20 Jahren angefangen habe, wurde noch richtig viel gemalt. Damals hatten wir 20 Kinos. Und ich war da auch nicht alleine. Mit mir arbeiteten noch zwei ältere Herren. Die sind aber längst gestorben.", erklärt Valien. Damals versorgten sie die Kinos der deutschen Hauptstadt mit Plakaten von Blockbustern wie "Titanic" und "Fluch der Karibik" (siehe Bildergalerie oben).

Kinokrise und neue Technologien

Mittlerweile ist Valien der einzige Kinoplakatemaler "im Umkreis von 1000 Kilometern."
Ein Umstand, den der gebürtige Salzburger immer mehr als Bürde sieht. Denn eigentlich ist Valien Künstler (siehe Bildergalerie), mit Ausstellungen in Berlin, Miami und London.
Der Wahl-Berliner studierte in den 80ern an der Angewandten in Wien meisterliche Techniken, ehe es ihn 1987 in die deutsche Hauptstadt verschlug, um dort Drehbücher zu schreiben. Als Brotberuf begann er fünf Jahre später als freischaffender Künstler in der Werbeagentur Werner zu arbeiten. Seitdem malt Valien die Kinoplakate nach Vorlage.

Schon damals war das Gewerbe in der Krise. Die Nachwirkungen der in den 80er-Jahren neu aufgekommenen Multiplex-Kinos waren noch deutlich zu spüren. Damals wurden die alten Lichtspielhäuser mit nur einem Saal in den Stadtzentren von neuen Kinos mit mehreren Sälen an der Stadtgrenze verdrängt. "Auch in Berlin sind damals wahnsinnig viele Kinos eingegangen. Die sind alle zu H&Ms und Benettons umgemodelt worden." Als Mitte der 90er Jahre dann auch noch die Gigaprints, also Digitaldrucke, kamen, war Valien eigentlich klar, "dass es früher oder später vorbei sein würde."

Um mit der billigen Konkurrenz der Digitaldrucke mithalten zu können, senkte er massiv seine Preise. Eine Entscheidung, die er heute bereut. Denn mittlerweile seien die Plakate wieder im Trend und die Tendenz gehe kurioserweise nach oben. "Damit hat keiner gerechnet. Zuerst noch am aussterbenden Sektor, male ich mittlerweile sogar Bilder für Fernsehpremieren."

Ironie des Schicksals

Ausgerechnet als es den Kinos zur Abwechslung besonders gut ging, war der Konkurs am greifbarsten. "1998 wäre unsere Firma fast bankrott gegangen. Damals hing Titanic auf praktisch allen Kinos. Da war drei oder vier Monate lang praktisch alles blockiert und unsere Auftragsbücher komplett leer."

Am Ende verhält es sich mit der Kinomalerei wohl wie mit dem Kino selbst: Totgesagte leben länger. Wenn sie es auch nicht ganz einfach haben.  Denn das Handwerk ist ein anstrengendes. "Früher habe ich das sportlich gesehen, aber man wird ja auch nicht jünger."

Bei aller Mühe - seine Begeisterung für die Malerei und das Kino hat sich Valien bewahrt. Ins Kino gehe er immer noch gerne, wenn auch nicht mehr so viel wie früher. "Liegt es an den Filmen oder an mir, aber es gibt nicht mehr so viele Filme, die mich wirklich vom Hocker hauen."  

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