Kultur
23.03.2017

"Der Junge Karl Marx": Karl mit Löwenmähne, Friedrich mit Backenbart

Die Entstehung der kommunistischen Partei.

Freundschaft auf den ersten Blick war es nicht. Als sich Karl Marx und Friedrich Engels das erste Mal trafen, konnten sie einander nicht leiden. Der lässige Fabrikantensohn aus England erschien dem analytischen Philosophen arrogant und abgehoben. Umgekehrt verhielt sich die Gefühlslage ähnlich.

Doch schon bei der zweiten Begegnung bricht die Hochachtung aus ihnen heraus: "Sie sind ein Genie, mein Lieber!", sagt Engels in aufrichtiger Bewunderung, und Marx revanchiert sich mit einer Höchstnote für Engels’ legendäre Studie zur "Lage der arbeitenden Klasse in England": "Kolossal"!

Man geht trinken, Marx übergibt sich ins Klo, und ab dann entsteht eine fruchtbare Freundschaft, deren Höhepunkt in der gemeinsamen Verfassung des kommunistischen Manifests mündet.

Der in Haiti geborene Regisseur Raoul Peck und sein Drehbuch-Autor, der studierte Philosoph Pascal Bonitzer, verstehen es, intellektuelle Linien nachzuzeichnen, die entscheidende Abschnitte in der Entwicklung des historischen Materialismus darstellen – etwa die Auseinandersetzungen mit dem französischen Ökonomen Proudhon. Bis hin zu Marx’ legendärer Formulierung "Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kommt drauf, an sie zu verändern" werden wichtige Stationen markiert, die zur Gründung der kommunistischen Partei und deren ideologischer Verankerung führten.

Blass

Doch so interessant Pecks Geschichtsstunde inhaltlich auch ist, findet sie kaum zu spannenden Bilder. Der formidable August Diehl als junger Karl Marx mit schwarzer Löwenmähne und Zylinder spielt famos und lässt Stefan Konarske als blonden Engels mit Backenbart blass erscheinen. Trotzdem kann selbst Diehl nie ganz den Eindruck abschütteln, dass man ihn verkleidet hat. Ohnehin bleibt die Inszenierung theaterhaft, visuell weitgehend reizlos und weicht auch erzählerisch nicht von den Trampelpfaden der Kostümfilmkonventionen ab.

INFO: D/F/BL 2017. 118 Min. Von Raoul Peck. Mit August Diehl, Stefan Konarske, Vicky Krieps.

KURIER-Wertung: