Neue Partner: Kulturminister Thomas Drozda, Monika Wagner (von "Hunger auf Kunst und Kultur") und Volksopern-Direktor Robert Meyer

© APA/HERBERT PFARRHOFER

KULTURPASS
06/01/2017

Der Hunger auf Kunst ist groß, die Krümel sind klein

Auch die Bundestheater beteiligen sich nun an der Aktion "Hunger auf kunst und Kultur", die Menschen in finanzieller Notlage Gratiseintritt ermöglicht. Doch das Kartenkontingent ist im Falle der Staats- wie der Volksoper sehr bescheiden.

von Thomas Trenkler

Wenn man will, geht es schnell, da braucht es, wie Volksopern-Direktor Robert Meyer sagte, keine langen Verhandlungen: Am 25. Mai berichtete der KURIER, aufgestachelt von einem Leser, dass die Bundestheater Bedürftigen noch immer nicht Gratiseintritt gewähren würden. Dann machte Kulturminister Thomas Drozda (SPÖ) erfolgreich Druck – und am Mittwoch folgte bereits der Fototermin: zusammen mit Monika Wagner, der Geschäftsführerin von "Hunger auf Kunst und Kultur".

Unter Meyers Vorgänger Rudolf Berger hatte die Volksoper schon einmal Gratiskarten gewährt. Doch die Erfahrungen waren nicht so super. Einerseits, weil mit dem Kulturpass als Sesam-öffne-Dich! auch Schindluder getrieben wurde, und andererseits, weil man Menschen in finanzieller Notlage angeblich keine Karte aushändigen wollte, da sie zu wenig bedürftig ausgesehen hätten. Meyer stellte dies in Abrede, aber er bestätigte die missbräuchliche Verwendung.

Bergers Standpunkt war damals: "Es ist mir lieber, zehn Menschen, die keinen wirklichen Anspruch haben, bekommen eine Karte – als Hundert, die gerne gehen würden und es sich wirklich nicht leisten können, bekommen keine." Er sei aber auf Widerstand gestoßen: Die Aktion wurde auf Weisung der Holding eingestellt.

Berger fand dies betrüblich. Denn gerade die Bundestheater hätten "als sehr großer Bezieher von Steuergeld eine moralische Verantwortung zu tragen", zudem hätten sie vielleicht auch erreichen können, dass bei der Ausgabe der Pässe manches verbessert wird.

Dazu könnte es jetzt kommen. Wagner wünscht sich, dass "der Kulturpass ins digitale Zeitalter" kommt. Sprich: Dass eine App entwickelt wird. Zudem soll ein Dachverband gegründet werden, denn mittlerweile beteiligen sich 750 Kultureinrichtungen an "Hunger auf Kunst und Kultur".

Kulturpass-Inhaber können nun also jährlich "rund 1.500 Vorstellungen" der Bundestheater besuchen. Klingt toll. Sie sollten sich aber keine großen Hoffnungen machen: Pro Vorstellung vergibt die Volksoper "vier Karten nach Verfügbarkeit", die Staatsoper "bis zu vier Stehplatzkarten oder bei Verfügbarkeit bis zu vier Sitzplatzkarten". Das Burgtheater will generöser sein, es gibt aber keine eigenen Kontingente.

Bei so viel Engagement für die gute Sache will sich auch das Theater in der Josefstadt nicht lumpen lassen: Pressesprecherin Christiane Huemer-Strobele kündigte an, dass man an der Aktion ab sofort teilnehmen werde.

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