Kultur
29.06.2017

Der Bildhauer der Farbe, der in den Stadtraum drängte

Roland Goeschl, 2016 verstorben, erfährt eine Würdigung in zwei Ausstellungen.

Er habe einen "Farbwahn", soll der Bildhauer Fritz Wotruba über seinen einstigen Schüler und zeitweiligen Assistenten Roland Goeschl gesagt haben: Dass dieser, nachdem er lange Zeit das Menschenbild des Meisters studiert und kopiert hatte, plötzlich rote, blaue und gelbe Farbbahnen über seine Objekte zog, war Anfang der 1960er-Jahre ein echter Traditionsbruch.

Goeschls farbiger Signatur-Stil ist heute auch den meisten Österreicherinnen und Österreichern bekannt, die sich sonst nur rudimentär mit Kunst befassen: Der in Salzburg geborene Künstler "erwischte" sie mit Arbeiten im öffentlichen Raum, etwa an der TU Wien, oder mit den legendären "Humanic"-Werbespots, für die er etwa einen Riesenberg aus farbigen Klötzen in die Luft sprengte oder diese zur "Umweltschutzmauer" stapeln ließ.

Tod zu Weihnachten

Als Goeschl am Weihnachtstag des Vorjahres 84-jährig starb, war das Echo überschaubar: Es lag am Salzburger Museum der Moderne (MdM) und an der mit dem Nachlass betrauten Wiener Galerie ZSart, die Erinnerung in Form zweier Ausstellungen zu pflegen.

InSalzburg, wo diverse Originaldokumente und Objekte im Sammlungsfundus der Generali Foundation erhalten sind, steht dabei der "öffentliche" Goeschl im Mittelpunkt: Unter dem Motto "Farbraum Total" zeigen Bilder, Dias und Skizzen , wie Goeschl sein Publikum mit Fassadengestaltungen, Zubauten auf Häusern oder mit öffentlichen Skulpturen buchstäblich in sein Verständnis eines dreidimensional gewordenen Farberlebnisses einführte.

Bei ZS art scheinen die Besucherinnen und Besucher dagegen beinahe ins Atelier des Künstlers eingeladen zu sein: Neben einigen raumgreifenden Skulpturen wagt man hier den Blick zurück auf das oft in klassischem Bronzeguss ausgeführte Frühwerk und zeichnet die Entwicklung hin zur Farbigkeit nach. Diese erschöpfte sich allerdings nie im bloßen Bemalen von Formen: Skulptur und Farbgebung standen im Dialog, teils auch im Widerspruch.

Formfindungen

Zeichnungen und Drucke bilden einen weiteren Schwerpunkt der Schau und zeigen, wie sich Goeschls Nachdenken über Raum und Form zwischen Papier und Objekt hin- und herbewegte. Ein aus buntem Draht geflochtener Kopf ist eines der spätesten Werke in der fast musealen Schau, die freilich auch den Verkauf im Blick hat: Das Preisniveau bewegt sich zwischen 800€ für einen Siebdruck über 4800€ für große Arbeiten auf Papier bis zu 70.000 € für eine große "Raumkomposition in Rot-Blau-Gelb" von 1990/’91. Die Gelegenheit, sich mit einem der prägnantesten und frischesten bildhauerischen Oeuvres der jüngeren heimischen Kunstgeschichte vertraut zu machen, steht aber jedem offen.

INFO:Die Ausstellung im Rupertinum Salzburg läuft bis 16.7., jene bei ZS art, Westbahnstraße 27–29, 1070 Wien, bis 28.7.