Heinrich Himmler, Massenmörder: „Man muss im Leben immer anständig und tapfer sein. Und gütig“

© ORF

Himmler-Doku in Kino und TV
10/25/2014

"Der Anständige": Heinrich Himmler privat: "Küsse, Dein Heini"

In ihrer vom ORF koproduzierten Doku "Der Anständige" kombiniert Vanessa Lapa private Briefe und Texte von Himmler mit historischem Bildmaterial. Derzeit im Kino.

von Alexandra Seibel

Vierzig Jahre lang verwahrte der israelische Künstler Haim Rosenthal die Briefe und Tagebücher von Heinrich Himmler unter seinem Bett. Wie er an den Nachlass von Himmler, einem der Hauptverantwortlichen des Holocaust, heran gekommen war – "Man wird es niemals wissen", sagt Vanessa Lapa im KURIER-Gespräch.

Vanessa Lapa ist eine in Belgien geborene, in Israel lebende TV-Journalistin; ihr wurden die Briefe und Tagebücher zur Verfügung gestellt. Ursprünglich hatte sie überlegt, einen Film darüber zu machen, wie die Briefe in den Besitz von Rosenthal kamen, jedoch: "Es stellte sich heraus, dass das keine sonderlich interessante Geschichte wird", so Lapa. Stattdessen kam ihr der Gedanken, Himmler "in seinen eigenen Worten" erzählen zu lassen – und zwar einen ganzen Film hindurch." Sieben Jahre lang arbeitete Lapa an diesem Projekt, studierte rund 700 Briefe und verwendete Bildmaterial aus 53 Archiven. Gemeinsam mit der Politikwissenschaftlerin Katrin Himmler, der Großnichte des Massenmörder, übersetzte sie die Briefe, die Himmler seiner Gattin Marga, seiner Tochter Gudrun und später auch seiner jungen Geliebten geschrieben hatte.

"Ich fahre nach Auschwitz. Küsse, Dein Heini", heißt es da von Himmler, der sich selbst auch gern als "Schlingel" bezeichnet und seine Tochter Gudrun ermahnt, immer schön anständig zu bleiben. "Ich habe meinen Film nicht , Der Anständige’ genannt, um zu provozieren", sagt Lapa, "sondern ich verwende Himmlers eigene Worte. Die Frage ist: wie kann sich jemand als anständig bezeichnen und dennoch Massenmörder sein?"

Wenig Einsicht

Viel Antwort gibt Lapas Film auf diese Frage allerdings nicht. Stattdessen kontrastiert sie (meist privates) historisches Bildmaterial mit den Originaltexten der Himmlers, die von Tobias Moretti und Sophie Rois aus dem Off gelesen werden.

Während man also Bilder von Massengräbern sieht, hört man Himmler in seinen Briefen über Bauchschmerzen klagen. "Das ist deswegen interessant", findet Lapa, "weil die Bauchschmerzen letztlich zu den Gaskammern führten: Die Soldaten konnten das Töten körperlich nicht mehr ertragen."

Warum sie mit Soundeffekte das ursprünglich stumme Bildmaterial effektvoll verstärkte, kann Lapa ebenfalls erklären: "Damit der Zuseher sich besser in die damalige Realität hinein findet."

Der ORF, der die Doku koproduzierte, strahlt "Der Anständige" im Rahmen eines Themenabends aus (14. 11., 21.20, ORF 2).

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