Kultur
23.09.2017

Deine Augen sind heute so schnittlauchgrün ...

Gerhard Falkner ist mit "Romeo oder Julia" im Rennen um den Deutschen Buchpreis.

Manchmal reichen ein paar schwarze lange Haare.

Sie kleben in der Wanne, im getrockneten Badeschaum, und sind gewellt.

Sie gehören eindeutig nicht dem "schütteren" Hotelgast, der dieses Zimmer bezogen hat. Er ist Schriftsteller. OBWOHL er Kurt heißt, ist er Schriftsteller. Kurt Prinzhorn. Bei seiner Ankunft waren die Haare nicht da, erst am nächsten Tag klebten sie.

Er verbrachte die Nacht allein. ("Wir" sind Zeugen: Er hat geraucht, zwei Flaschen Weißwein getrunken, dann fiel er ungeduscht ins Bett.)

Und es fehlen alle seine Schlüssel sowie Notizbücher.

Anzüglich

Das reicht bei Gerhard Falkner für einen großteils heiteren und ein klein wenig schaurigen Roman, in dem er wieder schwurbeln kann. Meisterhaft schwurbeln – wie es deutsche Schriftsteller / Dichter selten zusammenbringen.

Der 66-jährige Falkner ist ein Dichter, der gern etwas Lyrik in die Prosa bringt, und dann kann es passieren, dass eine Frau "schnittlauchgrüne" Augen hat.

"Meine wasgrünen?"

"Romeo oder Julia" ist ein Roman über Sex. Über Liebe auch. Aber bei diesem Kurt Prinzhorn geht es in erster Linie um Sex. Ständig macht er anzügliche Bemerkungen. Irgendwie ist er ungut. Zwar bildet er sich ein, seine Gedanken rauschen wie Papierschiffchen, und dann rauscht es in der Art: "Das Glück und das Unglück liegen manchmal dicht beisammen wie Anus und Vagina."

Auch hat er die richtigen Worte dafür, was sich in einem Mann abspielt, wenn er zu einer Prostituierten geht – nämlich: "Na, ganz normale Volksmusik."

Man will’s schon wissen, wer diesen Kerl stalkt. Wird wohl eine Frau mit schwarzen Haaren sein, die ihm sowohl in Innsbruck als auch bei Auftritten in Moskau und Madrid Angst einjagt.

Aber wichtiger sind die vielen Anspielungen auf die Literatur. Und viel wichtiger sind die Melodien, die sich Gerhard Falkner ausgedacht hat – mit Sätzen gibt er sich selten zufrieden.

Wieso eigentlich Romeo ODER Julia? Weil es nicht unbedingt ein Liebestod zu zweit sein muss.

Gerhard Falkner:
„Romeo
oder Julia“
Berlin Verlag.
272 Seiten.
22,70 Euro.

KURIER-Wertung: **** und ein halber Stern