Kultur 07.02.2018

David Bowie's Musical: Ödes Leben üppig inszeniert

Das Musical handelt vom Außerirdischen Thomas Jerome Newton. © Bild: D'Haus/Lucie Jansch/D'haus/Lucie Jansch

"Lazarus" hatte in Düsseldorf deutschsprachige Erstaufführung.

David Bowie und Musical! Für Matthias Hartmann sind das Begriffe wie "Margarine und Hasenjagd", Dinge die nicht zusammengehören. Deshalb war der Ex-Burgtheater-Direktor, der für seine Amtszeit gerade wieder schwer unter Beschuss steht, sofort interessiert, als ihm das Düsseldorfer Schauspielhaus anbot, bei der deutschsprachigen Erstaufführung von David Bowies Musical "Lazarus" Regie zu führen.

"Ich dachte, wenn David Bowie – noch dazu zusammen mit Enda Walsh, der ein großartiger Autor ist – so etwas schreibt, dann kann es sich nicht um ein Musical wie ,Grease‘ handeln, dann muss ,Lazarus‘ schon etwas Besonderes sein", erklärte Hartmann im KURIER-Interview – wenige Tage bevor die neuen Vorwürfe aufkamen.

Das Stück basiert auf der Figur des Thomas Jerome Newton, den Bowie 1976 in dem Film "The Man Who Fell To Earth" so großartig darstellte. Im Film kommt das Alien Newton zur Erde, um Wasser für seinen Planeten zu finden, verliebt sich hier in Mary-Lou und wird von den Tests neugieriger Wissenschaftler so zugerichtet, dass er nicht mehr zu seinem Heimatplaneten zurück kann.

In "Lazarus" greifen Bowie und Walsh Newtons Leben 40 Jahre später auf: Er hängt immer noch der Liebe zu Mary-Lou nach. Er kann nicht sterben, aber auch nicht nach Hause, betäubt den Schmerz mit Unmengen von Gin, hat Halluzinationen und steht am Rande zum Wahnsinn. Dann taucht in seiner Fantasie das Mädchen Marley auf, um ihm zu helfen.

Identifiziert

Eine richtige Story entwickelt sich daraus nicht. "Das sind Schlaglichter, die in einer musikalisch kompositorischen Art und Weise gegen einander gestellt sind", sagt Hartmann. "Bowie hat sich ja stark mit Newton identifiziert. Er ist von den Figuren ausgegangen. Er hat gewollt, dass der Mörder Valentine auftritt, dass viel gemordet wird. Er wollte, dass es um die Liebe zu Mary-Lou geht, aber auch um eine hedonistische, sexuelle Beziehung und den vergammelten Traum von Liebe. Da ist die Sinnsuche und dann die komplette Katastrophe. Dann kommt die Hoffnung. Und die wird vernichtet. In Wahrheit ist ,Lazarus‘ ein assoziatives, psychedelisches und, ich würde sagen, auch philosophisches Konglomerat."

Hans Petter Dahl spielt und singt Newton
Lazarus © Bild: D'Haus/Lucie Jansch

Eines, das Hartmann "nicht ganz verstanden" hat, als der das Stück zum ersten Mal las. "Aber dann begibt man sich während der Proben auf eine Reise und stellt fest, dass es ein großes Requiem ist. Bowie hatte ja die Diagnose Krebs zwei Jahre vor seinem Tod. In dieser Zeit ist ,Lazarus‘ entstanden."

Zu glamourös

Eine erste Idee, die er für seine Inszenierung von "Lazarus" hatte, verwarf Hartmann wieder: "Bowie ist auf der Wolke gesessen, hat mir zugeschaut, und ich dachte, er sagt: ,Du kannst das besser!‘."

So inszeniert Hartmann "Lazarus" (wie bei einer öffentlichen Probe vorab gesehen) vor großer Kulisse mit Raketenaufbau und monströsen Videoschirmen, üppig, glamourös und bunt. Dadurch wird die Leere in Newtons Dasein weniger deutlich spürbar als mit der kargen, minimalistischen, von raffinierten Projektionen getragenen Inszenierung der Original-Produktion von David Bowie und Ivo van Hove.

Auch der Mörder Valentine, der mit Netz-Outfit und Federboa auftritt, verliert an Bedrohlichkeit und emotionalem Gewicht. Alles in allem ist "Lazarus" aber auch auf Deutsch sehenswert. Nicht zuletzt, weil die Liedtexte nicht übersetzt wurden. War das je ein Thema? "Im Gegenteil! Am liebsten hätte ich auch die gesprochenen Texte auf Englisch gehabt und alles untertitelt. Aber das ging mit den Rechten nicht."

( kurier.at ) Erstellt am 07.02.2018