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Kulturminister
05/18/2016

Das sind die fünf größten Herausforderungen für Drozda

Von Förderungen über das Burgtheater bis zu den Medien: Hier muss Drozda anpacken

von Georg Leyrer, Philipp Wilhelmer

Der Ruf mancher Künstler und Kulturschaffender nach dem Verbleib von Josef Ostermayer verhallte. Mit dem neuen Kulturminister kommt nun ein Mann ins Amt, der seit Jahrzehnten in wichtigen Funktionen Teil der Kulturszene war und dabei Budgetposten in Millionenhöhe verantwortete.

Der gebürtige Oberösterreicher Thomas Drozda hat seit bald einem Vierteljahrhundert die Sicht auf die Kultur in der SPÖ zumindest mitgeformt. Er beriet die Bundeskanzler Franz Vranitzky und Viktor Klima in Kulturfragen, gestaltete 1998 das legistische Großprojekt der Ausgliederung der Bundestheater mit – und wurde zum Geschäftsführer der neuen Burgtheater GmbH ernannt. Zuletzt war er der mächtigste Mann der Wiener Bühnen, die ihrerseits ein SPÖ-Politikum sind: Insbesondere die hohe Förderung für die Musicalsparte, der Drozda bei den VBW ebenso wie dem zum Opernhaus umfunktionierten Theater an der Wien als Generaldirektor vorstand, wird anhaltend kritisiert.

Neues Geld

Die Förderungen sind auch in Drozdas neuem Job zentraler Punkt. Die Branche, vor allem die kleinen und alternativen Szenen, steht seit Jahren durch stagnierende oder kaum wachsende Budgets, ansteigende Kosten und ein sparsames Publikum unter Druck. Die soziale Lage vieler Kulturschaffender ist kritisch. Und auch an den großen Bundes-Museen und -Theatern ist die Lage schwierig. Die finanziellen Rahmenbedingungen werden für viele Kulturfragen weiter entscheidend sein. Ostermayer hatte sich gegen eine Kürzung der Budgets gewehrt und zuletzt Mittel freigemacht.

Burg-Aufarbeitung

Und das Burgtheater wird Drozda in seiner neuen Funktion ebenfalls beschäftigen, ist die Aufarbeitung des dortigen Finanzskandals doch noch lange nicht abgeschlossen. Mit einer der zentralen Figuren der Causa hat Drozda jahrelang eng zusammengearbeitet: Silvia Stantejsky, der u. a. Untreue und Bilanzfälschung vorgeworfen werden, war von 1999 bis 2008 seine Stellvertreterin; dann wurde sie seine Nachfolgerin in der Geschäftsführung der Burg. Rund um die Affäre sind mehrere Arbeitsgerichtsprozesse anhängig, wohl noch vor dem Sommer wird der Rechnungshof-Bericht veröffentlicht.

Neue Verträge

Aber nicht nur die weitere, auch personelle Entwicklung im Burgtheater (Karin Bergmann ist bis 2019 Chefin) wird Drozdas Terminkalender füllen. Auch die Ausschreibung für die Neubesetzung der Staatsoper steht an – oder die Verlängerung des bis 2020 laufenden Vertrags von Dominique Meyer. Ostermayer kündigte die Ausschreibung fürs Jahresende an. Mit Drozda könnte unter anderem hier die Achse WienMünchen noch stärker werden, zumindest in beratenden Fragen. Sitzen dort doch zwei österreichische Kulturgrößen, die eng mit Drozda bzw. seinen ehemaligen Wirkungsstätten verbunden sind: Der Direktor der Bayerischen Staatsoper, Nikolaus Bachler, Ex-Burgtheater-Direktor und in dieser Funktion Drozdas Ex-Chef. Und Residenz-Theater-Leiter Martin Kušej, der als Favorit für die Nachfolge Bachlers am Burgtheater galt, aber übergangen wurde.

(H)Aus der Geschichte

Spannend wird auch die Zukunft von Ostermayers wohl wichtigstem Projekt: Unter Einlösung von viel politischem Kapital hat Ostermayer das für den Heldenplatz geplante Haus der Geschichte vorangetrieben. Die Finanzierung – knapp 30 Millionen Euro – sollte im Herbst verbindlich aufgestellt werden; der Konsens in der Koalition war aber im Prozess nicht durchgängig in Stein gemeißelt. Die Zukunft der Geschichte dürfte, wie oft in Österreich, noch offen sein.

Medien

Mit Thomas Drozda holt sich SPÖ-Kanzler Christian Kern einen Mann ins Team, der ihm wichtiges Know-how in einer drängenden Frage bietet: Er kennt den ORF-Stiftungsrat von innen. Alfred Gusenbauer schickte ihn 2007 auf einem Regierungsticket in das oberste ORF-Gremium, Werner Faymann zog ihn 2014 wieder ab. Dass er mit offenen Wortmeldungen Richtung Bundesregierung auf sich aufmerksam gemacht hatte, war ein Mitgrund dafür. 2012 hatte er sich als roter Stiftungsrat öffentlich gegen die von Faymann angekündigte und nie zustande gekommene ORF-Gremienreform gewandt. Zwei Jahre später war er die Funktion im Stiftungsrat los.

Wenn Drozda angelobt ist, darf er sich gemeinsam mit seinem künftigen Regierungschef der Frage widmen, wie denn der österreichische Medienmarkt neu aufzustellen ist. Die erwähnte ORF-Reform mit einer tatsächlichen Entpolitisierung des Unternehmens wäre ein großer Wurf, an dem bisher letztlich jede Regierung gescheitert ist, egal wie aufrichtig sie das auch in Angriff genommen haben möchte. Besonders die ORF-Redakteure verweisen gerne und lautstark auf offenkundig auf Parteizuruf zustande gekommene Personalbestellungen.

Drozda wird sich auch der Frage widmen müssen, ob die SPÖ dem amtierenden ORF-Chef Alexander Wrabetz weiter die Stange hält, wenn er sich im August seiner Wiederwahl zu einer möglichen dritten Amtsperiode in Folge stellen wird.

Ansonsten blieb unter seinem Vorgänger Josef Ostermayer alles liegen, was einer Reform des Medienstandortes auch nur nahe kam. Die Presseförderung wurde gekürzt, wiewohl die Verleger via VÖZ für eine deutliche Ausweitung lobbyierten, das Thema geräteunabhängige Fernsehabgabe ("Haushaltsgebühr") wurde nicht wirklich angepackt, und auch die Privatsender verweisen immer wieder auf die Schieflage des Marktes.

Zuletzt wurde dies deutlich, als der Milliardär Dietrich Mateschitz seinem Projekt Servus TV den Stecker zog, um es sich doch anders zu überlegen. Fernsehen sei wohl nur als Hobby für reiche Männer leistbar, allen anderen gelinge das schwer, stöhnt die Branche. Sowohl Privatsenderverband wie auch ATV im Alleingang forderten Werbebeschränkungen für den gebührenfinanzierten ORF.

Zwei Reformen, die sich erst beweisen müssen

Zwei große Reformen des scheidenden Kulturministers Ostermayer müssen sich nun unter Drozda im Alltag beweisen.

Infolge der Finanzaffäre im Burgtheater wurde das Gesetz über die Bundestheater-Holding reformiert. Diese ist die Muttergesellschaft von Staats- und Volksoper sowie Burgtheater. Sie soll in Zukunft mehr Kontrolle ausüben. Neuer Holding-Chef ist Christian Kircher.

Nach jahrelangem Ringen trat auch eine große Urheberrechtsreform in Kraft. Diese soll über eine Abgabe auf Festplatten mehr Geld für Künstler bringen. Die Kunden wiederum sollen eine einfache Möglichkeit haben, die Gebühr zurückzufordern. Beide Reformen haben auch starke Kritik hervorgerufen; die Umsetzung wird spannend.

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