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Kultur
09/13/2012

Das Renaissancetheater wird 100

Das Renaissancetheater in der Neubaugasse ist ein Haus mit Geschichte. Wo früher Stars wie Kortner und Moissi auftraten, tummeln sich heute die Kinder.

von Susanne Lintl

Am kommenden Samstag wird groß gefeiert: Da lädt das Wiener Renaissancetheater zu einem Tag der offenen Tür. "Wir werden rappelvoll sein", ist sich Pressechefin Barbara Dallheimer aufgrund der regen Zählkartennachfrage schon jetzt sicher. Wie immer, könnte man ergänzen. Ist doch das Haupthaus des Theaters der Jugend – die Dependance, das Theater im Zentrum im 1. Bezirk, wird seit 1964 bespielt – eine einzige Erfolgsgeschichte. Die Auslastung betrug in den vergangenen zehn Jahren konstant zwischen 93 und 95 Prozent.Der Abonnentenzuwachs stieg seit dem Jahr 2002 um satte 28 Prozent.

Der Erfolg ist Direktor Thomas Birkmeir, der das Theater der Jugend seit nunmehr zehn Jahren führt, und seinem bestens eingespielten Team zu verdanken. "Wir sind wirklich eine eingeschworene Bande", führt auch Chefdramaturg Gerald Maria Bauer den konstanten Aufstieg auf die jahrelange konstante Zusammenarbeit der handelnden Personen zurück. Bauer, der auch am Reinhardt-Seminar lehrt, kennt jeden Winkel des Renaissancetheaters und hat sich genau mit der Geschichte des Hauses beschäftigt. "Wussten Sie, dass das Theater der Jugend ursprünglich in der Hofburg angesiedelt war?", fragt er, ohne eine Antwort abzuwarten. "Es wurde 1932 als reine Besucherorganisation gegründet und hatte bis 1964 keine eigene Spielstätte."

Im Renaissancetheater hatten sich bis dahin schon viele Große die Klinke in die Hand gegeben: "Alle wesentlichen Direktoren und Schauspieler Wiens gaben sich hier die Ehre." Direktor Josef Jarno stützte sich in den Zwanzigerjahren auf Stars wie Hansi Niehse, Hans Moser, Fritz Kortner oder Gisela Werbezirk. 1949 übernahm Paul Löwinger das Theater und brachte komödiantische Kontinuität in den Spielplan. Gunther Philipp, Heinz Rühmann, Trude Herr, Freddy Quinn und Maxi Böhm traten auf.

Im Keller tut sich was

Begibt man sich unter den Theaterraum, so sind die Spuren der Geschichte noch allerorts sichtbar: Ein altes "Notausgang"-Schild, der versenkte Eiserne Vorhang, enge Gänge und viele Kammerln. "Das ist der Alte-Leuchter-Raum", erklärt Bauer und führt uns zu einem wilden Sammelsurium angestaubter Leuchtkörper.

Im Raum daneben lagern alte Requisiten: abgeschnittene Menschenköpfe, Pferdeattrappen, Krallenschuhe, Bärenkostüme. "Zum Teil werden die Sachen von unseren Kostümbildnern für neue Stücke umgearbeitet. Oder für den Flohmarkt freigegeben." Weggeworfen wird kaum etwas. Ein Zimmer weiter bringt eine junge Dame gerade alte Perücken in Form: Für die erste Saisonpremiere am 5. Oktober, Guus Kuijers "Ein himmlischer Platz" in der Regie von Thomas Birkmeir.

Der Probenraum für das Stück ist ebenfalls unten im Keller. Wie lange für eine Inszenierung geprobt wird? "Im Schnitt sechs Wochen. Neun Tage vor der Premiere übersiedeln wir dann hinauf auf die große Bühne."

Berühmter Hausbesitzer: Es gehörte Wittgenstein

Als Kino geplant 1912 wird der ursprünglich als Kinospielstätte konzipierte Saal in der Neubaugasse 36 zu einem Theater für die Wiener Volksbühnenbewegung adaptiert. Das Haus selbst gehörte Karl Wittgenstein, dem Vater des Philosophen Ludwig Wittgenstein. Eröffnet wurde das Haus am 12. Dezember 1912 mit einer Vorstellung von Nestroys "Kampl". 1914 übernimmt der Berliner Theaterveranstalter Arthur Rundt das Ruder. 1916 wird der Volksbühne der Mietvertrag gekündigt, das Haus steht für zwei Jahre leer.

1919 wird Filmschauspieler Harry Walden Direktor und benennt das Haus in Renaissancetheater um. 1931 muss es für elf Jahre schließen. Ab 1949 bespielen die Löwingers das Theater – 25 Jahre lang und mit großem Erfolg. Sissy Löwinger hatte übrigens bis kurz vor ihrem Tod 2011 ihr Büro im ersten Stock.

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