Die Töchter des Monsieur Claude und ihre Männer haben viel Spaß

© /Kammerspiele der Josefstadt/H. Prammer

Kultur
09/10/2016

Das Lachen über Vorurteile

"Monsieur Claude und seine Töchter" in den Kammerspielen der Josefstadt.

Kann man über Rassismus, religiösen Fanatismus und die Angst vor der Globalisierung eine Komödie machen?

Ja, dachten sich Guy Laurent und Philippe de Chauveron (auch Regie) und landeten mit ihrem Film "Monsieur Claude und seine Töchter" im Jahr 2014 einen echten Kinohit, der 78 Millionen Euro einspielen konnte.

Auf eine solche Summe werden die Kammerspiele der Josefstadt mit ihrer Bühnenfassung (Stefan Zimmermann) des Stoffes zwar sicher nicht kommen, ein Publikumsrenner aber sollte diese Produktion allemal werden.

Multikulti

Denn es ist herrlich mitanzusehen, wie sich der stockkonservative Monsieur Claude mit den Schwiegersöhnen seiner drei Töchter herumplagt. Ein Jude, ein Moslem und ein Chinese sind bereits in die stolze, französische Familie Verneuil "eingedrungen", und die vierte Tochter schleppt als Bräutigam einen farbigen Schauspieler von der Elfenbeinküste an. Für Monsieur Claude ein Ding der Unmöglichkeit ...

Regisseur Folke Braband macht daraus im klugen, mit vielen sehr witzigen Projektionen arbeitenden Bühnenbild von Tom Presting einen schwungvollen Clash der Kulturen mit hohem Lachfaktor, ohne jedoch seine Protagonisten der puren Lächerlichkeit auszuliefern. Diese danken es ihm auch mit spürbarer Lust am Spiel, mit Tempo, Drive und Präzision.

An der Spitze der hinreißende Siegfried Walther als Monsieur Claude, der – anders als der im Film völlig überdreht agierende Christian Clavier – einen echten, nachvollziehbaren Charakter formt. Die Pointen holt sich Walther mühelos, doch zeichnet er auch das Porträt eine Mannes, der die Welt nicht mehr versteht, der erst spät zur (humanen) Einsicht kommt. Eine tolle Leistung!

Rund um Walther agiert ein exzellentes Ensemble, das von Susa Meyer als Madame Verneuil angeführt wird. Die Töchter (Michaela Kaspar, Silvia Meisterle, Daniela Golpashin und Martina Ebm) dürfen all ihre Macken ausleben; und die Schwiegersöhne (Ljubiša Lupo Grujčić, Martin Niedermayr, Vincent Bueno, Peter Marton) stehen den Damen da in Nichts nach. Dazu kommen noch Félix Kama, Ida Ouhé Schmidt und der vielseitige Markus Kofler – fertig ist der köstliche Multikulti-Komödien-Cocktail.