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Das Gschwandner
07/01/2013

Ein Stück altes Wien mit Zukunft

Das legendäre "Gschwandner" wird renoviert und Kulturzentrum bis November 2014.

von Werner Rosenberger

Aus dem Dornröschenschlaf geweckt wurde es schon, das legendäre „Gschwandner“ in der Geblergasse 36 in Wien-Hernals.

Es war, 1838 als Heuriger gegründet, um 1900 als „Grand Etablissement Gschwandner“ eine der beliebtesten Vergnügungsstätten der Wiener Vororte – mit Konzerten, Wäschermädel- und Fiakerbällen, Filmvorführungen, Gartenschauen und Boxkämpfen.

Die „Fiakermili“, Bürgermeister Lueger, Hermann Leopoldi, das „Lercherl von Hernals“ Betty Fischer, Fritz Muliar, Heinz Conrads und Pirron & Knapp gingen hier ein und aus. Einblicke in diese längst vergangene Ära der Unterhaltungskultur geben die Autoren Erich Bernard und Astrid Göttche in ihrem Buch „Das Gschwandner“ (Metroverlag).

Immerhin gab es im historischen Gemäuer seit Februar 2012 „in einer Phase der kulturellen Zwischennutzung“, so Projekt-Entwickler Oliver Jauk, bereits etwa 30 öffentliche Veranstaltungen an mehr als 100 Tagen mit rund 25.000 Besuchern.

Wo jetzt bis November 2014 renoviert wird, entsteht, abseits der Trampelpfade der Wiener City, auf insgesamt 4500 Fläche ein neues Kulturzentrum.

Mit den alten Spuren und historischen Schichten wird, so verspricht es das Büro BWM Architekten, möglichst schonend umgegangen: „Wir setzen fort, was dort 130 Jahre lang geschehen ist: das Gebäude mit den historischen Sälen, die unter Denkmalschutz stehen, zu aktualisieren, ohne dass die Patina verschwindet.“

Außerdem entsteht ein öffentlicher Durchgang von der Geblergasse in die Hernalser Hauptstraße.

Kultur und Gastronomie

Rund 13 Millionen Euro investieren die Eigentümer Daniel Jelitzka und Reza Akhavan. „Eine eventuelle Beteiligung der Stadt Wien steht noch nicht fest und wird verhandelt“, sagt Anna Resch, die „Gschwandner“-Projekt- betreuerin bei der Kunst- und Kommunikationsagentur Art phalanx.

In den drei historischen Sälen sind ein bestuhlter Veranstaltungsraum mit zirka 400 Sitzplätzen sowie ein Gast- und ein Kaffeehaus geplant, flexibel mit mobilen Wänden ausgestattet. Außerdem eine Weinbar in den originalen Weinkellern der Familie Gschwander, die selbst Weinbau betrieben hat.

Die Wiener Festwochen, ImPulsTanz, das Wienerliedfestival „Wean Hean“ u. a. haben bereits ihr Interesse am neuen Veranstaltungsort mit dem 1877 erbauten und 500 großen Säulensaal signalisiert. „Der Raum ist natürlich sexy. Es ist aber wichtig, dass man ihn mit Identität und einer Aufgabe füllt“, sagt Jauk. „Außerdem wollen wir das Grätzel – der sogenannte Hernalser Spitz gilt ja als Problembereich mit vielen leerstehenden Geschäftslokalen – beleben und aufwerten, junge Kreative gewinnen und stark mit lokalen Kulturinitiativen zusammenarbeiten.“

Schließlich gehe es darum, „die Kultur wieder in die Vorstadt zu bringen“. Nur Clubbings oder Stehkonzerte sind hier künftig nicht vorgesehen.

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