Niila begann als Teenager mit dem Rappen.

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Kultur
09/12/2016

Dankbar statt dreist

KURIER verlost 3 x 2 Karten für das Niila-Konzert am 2. 10. in Wien.

von Brigitte Schokarth

Ein Piratenschiff war seine erste Gage. Damals war Niila Arajuuri ein Kind: "Meine Eltern", erzählt der Finne im KURIER-Interview, "haben meine Stimme schon damals geliebt. Ich mochte zwar Musik, hatte später Drums in meinem Zimmer und spielte auch Klavier. Aber singen wollte ich nicht. So haben sie mich bestochen, sagten: ,Wenn du bei Omas Geburtstag singst, bekommst du Spielsachen.’"

Mehr als 20 Jahre ist das jetzt her. Heutzutage tut Niila nichts lieber, als Songs schreiben und singen. Am 2. Oktober kommt er nach Österreich, stellt in der Szene Wien sein Singer/Songwriter-Debüt "Gratitude" vor. Den Namen hat die Platte von der Dankbarkeit, es endlich geschafft zu haben.

Denn der Weg bis zu dem Album war für den 29-Jährigen lang und mühsam. "Ich bin ein Spätstarter", sagt er. "Ich habe zwar als Kind die Instrumente gespielt und viel Musik gehört", sagt er. "Aber damals war Sport mein Ding. Ich habe Fußball und Tennis gespielt, fuhr Skateboard und Snowboard."

Rappen wie Eminem

Richtig gepackt hat es Niila erst in der achten Klasse. Und zwar zuerst einmal der Rap: "Ich sah den Film ,8 Mile’ von Eminem und war wie besessen. Ich ging heim – meine Kapuze auf dem Kopf wie Eminem in dem Film – holte mir Stift und Papier und begann, Raps zu schreiben. Ich hatte dann auch Programme auf dem Computer, mit denen ich Beats machen konnte, und war fasziniert davon. Als ich später eine Gitarre bekam, merkte ich aber, dass ich besser Songs schreiben kann. Rappen braucht eine gewisse Einstellung – eine Frechheit und Dreistigkeit – die ich nicht hatte. Aber dank Eminem war der Sport vergessen, und ich wollte nur mehr Musik machen."

Viele Jahre spielte Niila in kleinen Clubs in Finnland, hielt sich mit Jobs als Barkeeper, Ersatzlehrer für Volksschulkinder und Verkäufer über Wasser. Öfter war er nahe dran, alles hinzuschmeißen. Aber am nächsten Tag war der Drang, auch ohne Erfolg weiter Musik zu machen, sofort wieder da.

Hilfe auf dem Weg kam auch von Sunrise-Avenue-Frontmann Samu Haber, den Niila vor sieben Jahren in einem Tonstudio kennenlernte. Sie wurden Freunde und Haber holte Niila ins Vorprogramm seiner Band.

"Der erste Auftritt mit Sunrise Avenue war vor 30.000 Leuten in München. Ich war so nervös, weil ich bis dato nur in Clubs in Finnland gespielt hatte. Ich wusste nicht, wie mein Körper reagieren wird. Werde ich in Ohnmacht fallen? Werde ich zu weinen beginnen? Aber als ich dann auf die Bühne ging, fühlte ich nur eine unglaubliche Wärme und Freude. Da spürte ich diese Dankbarkeit, nach der ich mein Album benannt habe."