Kultur
04.12.2017

Dagobert Duck zum Siebziger

Der Geburtstag ist eine gute Gelegenheit, um über sein Unternehmertum zu reden.

Dagobert Duck ist nun endlich so alt, wie er aussieht, 70 Jahre hat das gedauert, und bei diesem freudigen Ereignis wird es bestimmt wieder den einen oder anderen Leistungsträger geben, der sagt:

Er ist ja gar kein geldgieriger Kapitalist. Er ist doch bloß ein fleißiger Unternehmer, der sich seit seinem zehnten Geburtstag zunächst als Schuhputzer im Schweiße seines Angesichts zu drei Kubikhektar Geld (angeblich sind das 13 Trillionen Taler und 16 Kreuzer) emporgearbeitet hat.

Da kreist mir der Hut – so könnte man dazu sagen. Oder: Mein Hirn käst! Denn als Gegenargument eignet sich der Verweis auf US # 18 aus 1957 bestens.

Paradiesisch

In Heft 18 der amerikanischen Uncle Scrooge-Serie ärgerte sich Dagobert über den Lärm und den Dreck, den seine Fabriken ausstoßen ... er hat viele Fabriken, Raffinerien, Autofabriken ... und er reist deshalb mit Donald und Tick, Trick und Track in ein anderes Land, in die Berge, an einen See – paradiesisch.

Der Bertel (wie ihn manche nennen) sieht dort einen Elch und denkt: Fürs Fleisch würde man einen schönen Kilopreis erzielen.

Er atmet die gute Luft und sagt: Könnte man die nicht in Flaschen füllen und verkaufen?

Und er ruft: Nach Erdgas sollte man bohren und auch hier eine chemische Industrie aufbauen!

Dann hält er sich den Schnabel zu: "Entschuldigt! Aber diese wirtschaftlichen Werte hier, da vergesse ich mich eben."

So geht Unternehmer?

Alles Siemens oder was?

Keine Betty

Trotz der vielen Comicsabenteuer seit 1947 bleibt vieles im Unklaren.

Zwar sind Nebensächlichkeiten bekannt wie: Dagobert hat Gehrock, Zylinder und Stock um zwei Dollar gekauft, in Russland übrigens.

Aber warum er Betty Bienenstich nicht geheiratet hat, bleibt ein Rätsel. Betty war selbst vermögend.

Oder seine kurzzeitige Freundin Gerta Gründlich, eine Lehrerin. Sehr angenehme Ente.

Vielleicht kann ein Erpel halt nur einmal lieben im Leben – in Dagoberts Fall: das Geld, um wie ein Seehund hineinzuspringen, wie ein Maulwurf darin zu wühlen und es in die Luft zu werfen, damit es auf die Glatze prasselt.

Derartige Orgasmen führten freilich zu schweren Erkrankungen. Man denke an Dagoberts Porenverstopfung durch Goldstaub.

(Bild: Allererster Auftritt 1947)

Ein großes Durcheinander herrscht darüber, wie er zu seinem Vermögen gekommen ist ... das ihn die Panzerknacker seit 1951 wegnehmen wollen (seit "Der Selbstschutz", jener Geschichte, in welchem der ausgebeutete Donald für seinen Onkel sogar jammern auch noch musste: "Weh mir Armem! Welch schreckliche Unheil dräuet mir!")

Goldgräber soll er gewesen sein, Kapitän auf einem Mississippi-Dampfer ... Don Rosa, gewissermaßen "der neue Barks" , hat darüber in den 1990ern eine zwölfteilige Biografie gezeichnet.

Aber hieß es in den alten Comicheften seines Erfinder Carl Barks nicht auch einmal, er sei Räuberbaron gewesen? Und hat Dagobert sich 1969 nicht ordentlich versprochen?

"Als ich noch mit Perlen schmugg... äh handelte ..."

Der exzellente Kenner der Sippe, Buchautor Grobian Gans, kann mehrere Indizien aufzählen, wonach Dagobert als Waffenhändler reich geworden ist.

Enten in Öl

Barks wollte bestimmt keinen nur unsympathischen Kapitalisten porträtieren. Schon deshalb nicht, weil Dagobert ein Stück von ihm war:

Barks knauserte. Er wurde vermögend und sprach in Interviews "von ein bisschen finanzieller Sicherheit". Seine Frau schimpfte mit ihm, weil er überhaupt kein Geld ausgab. Bis kurz vor seinem Tod, der Amerikaner aus Oregon starb 95-jährig, malte er Enten und Enten und Enten in Öl, denn sie ließen sich teuer verkaufen.

Einmal hat sich eine Leserin aufgeregt: Im Wettstreit mit einem Maharadscha ließ Dagobert eine riesige mit Diamanten besetzte Statue herstellen – die Leserin schimpfte: Man hätte mit dem Geld besser Spitäler, Schulen bauen sollen!

Verwirrspiel

Barks schrieb zurück: Dagobert habe das Geld nicht verschwendet, sondern mit der Statue vielen Juwelieren, Goldschmieden, Arbeitern einen Job verschafft.

Lustig, denn dass einer Geld bewegt, ist Zeichen des Kapitalisten. Normalerweise expandiert Dagobert ja, ohne zu investieren. Er hortet das Geld bloß und schwächt dadurch die Wirtschaft. Das ist gar nicht kapitalistisch.

Barks verwirrte zusätzlich – und lachte dabei: Sein Dagobert halte es mit der Ökonomie. Zitat: "Er ist überzeugt, dass Geld immer in Bewegung sein muss ..."

Also doch Kapitalist!

" Seines bewegt er mit einem Bulldozer."

Was soll’s: Der Mensch muss eine Moral haben.

Die Ente nicht.