Kultur
09.11.2018

Crime in den Berliner Katakomben

Mit „Beat“ steigt Prime Video in die Berliner Nachtclubszene hinab. Orgien und Mysterien als Krimi für die Generation Y.

Es war eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis das Berliner Nachtleben unterm Mikroskop der Serienwelt landet. Wer sich in der deutschen Hauptstadt in die Clubs begibt, kann sich ohne große Anstrengung tagelang verlieren: Der Mix aus Drogen, fehlender Sperrstunde und Exzess durchzieht die Metropole wie keine zweite.

Es ist ein dröhnender Industriezweig im Schatten der Nacht, den die Macher von „Beat“ der deutschen Produktion von Amazons Streamingservice Prime Video als Handlungsort eines vielschichtigen Krimis ausgesucht haben (Start heute, Freitag). Protagonist ist der Club-Promoter Robert Schlag, der auf den etwas klischeehaften Spitznamen „Beat“ getauft wurde. Jannis Niewöhner verkörpert den drahtigen Mittzwanziger optisch mehr als adäquat. Beat „ist ein Grenzgänger, absolut süchtig nach Drogen, Sex und dem Nachtleben Berlins“, heißt es in dem Pressetext, der schaler klingt, als das Produkt ist.

Drapiert

Um den ohnehin schon spektakulären Backdrop der Berliner Clubs auf eine intensivere Ebene zu heben, wird das Verbrechen über der Szenerie drapiert – zunächst in Form zweier Frauenleichen, die über einer Party an der Decke hängen. Was nun? Beat wird vom Geheimdienst rekrutiert, um die Machenschaften eines üblen Geschäftsmannes aufzudecken. Philipp Vossberg (Alexander Fehling) lässt Flüchtlinge entführen und verkauft ihre Organe. Außerdem ist er Teilhaber des Clubs, für den Beat arbeitet. Ein Psychothriller um Identitäten, Party und Geschäftemacherei beginnt.

Dröhnung beim Dreh

Woran viele Darstellungen der Clubkultur scheiterten, ist „Beat“ famos gelungen: Die Partyszenen sind authentisch orgiastisch, was damit erreicht wurde, dass die Drehs unter Dauerbeschallung in einem Berliner Bunker stattfanden: Die Feier, die von der Kamera eingefangen wurde, fand tatsächlich statt, erzählt Hauptdarsteller Niewöhner. „Als ich zum ersten Mal in den Club gekommen bin, waren 400 Komparsen dort.“

Wiewohl keine Drogen oder Alkohol beim Dreh im Umlauf waren, wie Regisseur Marco Kreuzpaintner bei einem Pressetermin in London schmunzelnd einschränkte. Das Thema des Organhandels ist Kreuzpaintner nicht zuletzt angesichts der Flüchtlingsströme der vergangenen Jahre gekommen. „Vossberg sagt ja auch in der Serie zu jemandem: ,Du willst gar nicht wissen, woher das kommt, oder?‘ Allein die Möglichkeit, dass das passiert, ist schrecklich. Wir Europäer fressen andere Kulturen auf.“

Insofern gehe es ihm um „das große Ganze, die unterschiedlichen Lebensweisen. All diese Ablenkung, all dieses Vergnügen in unserem Leben: Jemand muss dafür den Preis bezahlen. Wir sind uns dessen nur meist nicht bewusst.“

Mit im Cast ist Karl Markovics, der den Chirurgen Brandt spielt. Er entnimmt die Organe fachmännisch, ist aber von Skrupel zerfressen. Für den ist in den Katakomben Berlins aber kein Platz. Der Beat stampft weiter.