Crashkurs Ökonomie im Schauspielhaus Wien

Schauspielhaus Wien/Frotzler Fragmente
Foto: /Schauspielhaus Wien/Matthias Heschl Großartig: Vassilissa Reznikoff, Sebastian Schindegger, Simon Bauer und Steffen Link.

"Frotzler-Fragmente" im Schauspielhaus Wien: Ein gelungener Abend zwischen schwankenden Aktienkursen.

Es beginnt mit einer Kuh, einen Besen, einen Topf und endet mit der zweiten weltweiten Wirtschaftskrise, die zwar seit 2007 viele Staaten im Würgegriff hat, aber aus der die Verantwortlichen noch immer nicht viel gelernt haben: In den Steueroasen blüht weiterhin das dubiose Geschäft und auf den Hunger der Welt kann noch immer spekuliert werden. Grauslich! Willkommen im Stück "Frotzler-Fragmente. Eine postmonetäre Doppelconference“, das zu Beginn als eine Art Einführungsseminar zum Thema "Geschichte der Ökonomie" angelegt ist.

Die von Nele Stuhler & Falk Rößler vom Theaterkollektiv Fux stammende und aktuell im Wiener Schauspielhaus uraufgeführte Theaterproduktion erzählt, wie sich der Mensch vom Jäger und Sammler zum Homo oeconomicus entwickelt hat.
Dass so ein Wirtschaftsexkurs weder staubtrocken noch langweilig, sondern sehr unterhaltsam sein kann, liegt an der famosen Inszenierung und dem herausragenden Schauspielhaus-Quartett (Simon Bauer, Steffen Link, Sebastian Schindegger und Vassilissa Reznikoff).

Lachend aus der Krise

Spielerisch, locker und punktgenau werden die komplexen Texte über das Wirtschaftssystem auf die Bühne gebracht, einem das kleine ABC der Wirtschaft erklärt - von "A" wie Aktienkurs, "D" wie Derivat über "H" wie Hedge-Fonds bis hin zu "L" wie Leitzins und "Z" wie Zentralbank. Das ist aber nur ein Teil des 100 Minuten dauernden Theaterabends. Ein anderer reiht Sketch an Sketch, Pointe an Pointe – ohne dabei die Kapitalismus-Kritik außer Augen zu verlieren.

Palim Palim

Der als Revue angelegte Abend lässt bereits verstorbene Helden dieses Genres auferstehen: Erwin Piscator, der in den 1920er-Jahren die Bühne zu einem "politischen Tribunal" umfunktionierte, und den bedeutenden österreichischen Kabarettisten Karl Farkas. Auf der Bühne treffen die beiden auf Didi Hallervorden, der ihnen mit seinem berühmten "Palim Palim"-Sketch erklärt, wie die Wirtschaft funktioniert – wie ein Kaufmannsladen. Kurzauftritte haben dann noch der Ex-Investmentbanker Rainer "Masters oft the Universe" Voss, die Heidenreich-Brüder Stefan und Ralph, die ihre "Forderungen" an den Finanzmarkt äußern. Dargeboten wir einem das an der Schnittstelle von Sprech- und Musiktheater. Und weil harte Zeiten, harte Maßnahmen erfordern, träumt man sich zum Finale in eine Welt ohne Geld und erinnert sich in einem Medley an alte Zeiten: Falcos "Jeanny" wird zu "Money, quit living on dreams." Und Karel Gotts "Biene Maja" wird zu "Doch diese Wirtschaft, die ich meine, die geht meier."

Gehen Sie hin. Schauen Sie sich das an! Damit wäre Karl Farkas auch zitiert.

Noch bis 8. April im Schauspielhaus Wien

(kurier) Erstellt am
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