
© Wiener Festwochen/Titanne
Crackz: Brasilianische Tanzperformance
Das neue Stück des brasilianischen Choreografen Bruno Beltrão bei den Festwochen.
Fetziger Hip-Hop, Street- und Break-Dance: das ist die Basis für CRACKz (Dança morta), das neue Stück des brasilianischen Choreografen Bruno Beltrão für seine Grupo de Rua aus Niterói, gegenüber von Rio de Janeiro in der Bucht von Guanabara gelegen. Die Wiener Festwochen präsentierten am Samstag die Österreich-Premiere in der Halle G im MuseumsQuartier.
Beltrãos Arbeiten sind ein Gewinn für die Tanzszene, in der diese Tanzformen längst eingezogen sind. Doch niemand vermag sie so konsequent und strukturiert vermitteln wie der Brasilianer, der seine Karriere als jugendlicher Straßentänzer begann. Später studierte er zeitgenössischen Tanz, Kunstgeschichte und Philosophie.
Knacken
So lebensfroh und virtuos das einstündige Stück mit zwölf multikulturellen Tänzern und einer Tänzerin beginnt, so stellt sich spätestens beim ersten Duo ein anderes Gefühl ein. CRACKz ist ambivalent, dreht sich doch alles ums „Knacken“ von Traditionen im Kontext mit Tod und Zerstörung, entlehnt aus der Computersprache und hier als Dekonstruktion bekannter Formen umgesetzt. Crack ist dazu noch eine lebensgefährliche Droge.
Die Performer drehen sich, springen und stampfen in atemberaubender Geschwindigkeit. Am Beginn ihrer Arbeit haben sie ohne Mitwirkung Beltrãos choreografische Vorgaben aus dem Internet herunter geladen und weiter geführt. Hier sind sie kein Ausdruck brasilianischer Lebensfreude – Samba ade als ein Hinweis auf existenzielle Sorgen. Und doch wird getanzt, in einem singulären Mix von Stilen bis zur Drehtechnik von Derwischen. Neu: Die für Hip-Hop charakteristischen Soli verschmelzen zu synchronen Gruppenchoreografien.
Doch eine zentrale Komponente des Streetdance geht bei der Transformation vom öffentlichen Raum auf die Bühne verloren: die Nähe zum Publikum, die Spontaneität, mit der die Tänzer auf der Straße agieren.
KURIER-Wertung: **** von *****