Kultur
12.06.2017

Coldplay: Triumphzug im Happel-Stadion

Die Briten beeindruckten mit bunter Regenbogen-Show und beherztem Einsatz.

„Lass uns mit dem nächsten Song positive Energie schicken. Zu Freunden, nach Österreich, nach Amerika, nach Manchester.“

Es ist fast Halbzeit bei der Coldplay-Show im Wiener Ernst-Happel-Stadion. Sänger Chris Martin ist bei „Clocks“ angelangt, bringt mit dieser Ansage auf den Punkt, was das britische Quartett hier tun will und tut.

Denn schon allein die Optik der „A Head Full Of Dreams“-Show macht froh: Sie ist bunt wie ein Kindergeburtstag, ein permanent bewegtes Kaleidoskop aus Regenbogenfarben, Pyrotechnik und einem Übermaß an Konfetti-Sternen, die immer wieder in die Luft geblasen werden.

Die beste dieser Spielereien: Am Eingang hatte jeder Zuschauer ein Armband bekommen, das in all diesen Regenbogenfarben leuchten kann und von den Coldplay-Technikern ferngesteuert wird. Einmal haben alle dieselbe Farbe, dann wieder jedes eine andere. Wenn alle jubeln, hüpfen, toben und Hände in der Höhe haben - und das ist heute oft der Fall - hat das einen tollen Effekt, macht die Zuseher zu einem Teil spektakulären Inszenierung. Das verbindet – die Fans mit der Band und auch untereinander.

Aber diese Lichtshow verstärkt nur, was den Coldplay-Sound ausmacht und immer schon ausgemacht hat: Mit markanten Melodien, hymnischen Refrains, geradliniger Instrumentierung und ungekünstelt zum Ausdruck gebrachten Empfindungen sind sie gemacht zum Mitsingen und Zelebrieren des Moments. Perfekt, um ein Massenpublikum auf eine Wellenlänge zu heben und ein Konzert zu einem unvergesslichen Gemeinschaftserlebnis zu machen.

Was sie jetzt in Wien zusätzlich noch so mitreißend macht, ist die Leidenschaft mit der Martin sie liefert. Er läuft, dreht sich wie ein Kreisel, liegt am Boden, hüpft, spielt einmal sogar kurz den Donauwalzer an. Er macht „Paradise“, „The Scientist“, „Yellow“ und natürlich „Fix You“, das er für Ex-Gattin Gwyneth Paltrow geschrieben hat, als deren Vater gestorben war, zu Gänsehautmomenten. Man spürt, dass er mit jeder Faser seines Körpers voll darin aufgeht und nichts anderes will, als diese Songs hier und jetzt mit seinen Fans zu feiern.

„Wir geben euch, das beste Konzert, das wir je gespielt haben“, hatte Martin eingangs versprochen. Vielleicht war es das. Wenn nicht, hat es sich für die Besucher zumindest knapp dran angefühlt.

Mehr als eine Stunde nach Konzertende schwirren in der U-Bahn-Station Schwedenplatz kleine bunte Sterne aus dem Konfettiregen aus dem Happel-Stadion über den Boden. Aber die Fans haben nicht nur sie bis hierher getragen, sondern auch diese freudvolle Energie der Coldplay-Show. Immer wieder bilden sich kleine Grüppchen von Menschen, die nicht aufhören können oder wollen und gemeinsam die Refrains von „Viva La Vida“ oder „Clocks“ singen – überglücklich, dabei gewesen zu sein.

KURIER-Wertung: