Kultur
22.12.2012

Eine erfreuliche Absage an jede Form von Kitsch

Kritik: Angenehm vorweihnachtliche Stimmung im Konzerthaus - ganz ohne Kitschorgie.

Es gibt Veranstaltungen, die der Papierform nach unfassbar gefährlich klingen. „Christmas in Vienna“ gehört definitiv dazu. Nach brillanten Anfängen (vor 20 Jahren) rutschte der jährliche Wiener Weihnachtsgruß im vergangenen Jahrzehnt in die Untiefen einer Kitschorgie ab. Das ist jedoch mittlerweile anders.

Denn im Konzerthaus treten wieder höchst seriöse Künstler auf, die dank des privaten Veranstalters Karl Scheibmaier tatsächlich für angenehme, vorweihnachtliche Stimmung sorgen.

An der Spitze: Das ORF Radio-Symphonieorchester Wien unter der großartigen Leitung von Dirigent Sascha Goetzel, der sich als extrem versierter, in allen musikalischen Stilrichtungen beheimateter Maestro erwies.

Grandioser Maestro

Goetzel demonstrierte seine Meisterschaft bei Humperdinck, Tschaikowsky und Händel ebenso wie bei den Weihnachtsliedern aus aller Welt. Da stimmte jede Phrasierung, jedes Detail, jede Nuance – das RSO dankte mit großer Spielfreude. Diesen Dirigenten würde man in Wien gern viel öfter erleben.

Auch die Wiener Singakademie (Leitung: Heinz Ferlesch) und die St. Florianer Sängerknaben (Chef: Franz Farnberger) trugen viel zum Gelingen des Unternehmens bei. Wie die Solisten: Piotr Beczala verfügt über eine der kostbarsten Tenor-Stimmen der Gegenwart, Sophie Koch über einen ebensolchen Mezzo. Bo Skovhus (auf Krücken) und Julia Novikova (mit eher kleiner Stimme) fügten sich in den vokal-internationalen Reigen gut ein. Ein Fest für das Fest also.

KURIER-Wertung: **** von *****