In „Candy's Camouflage“ spielt Chris Haring virtuos mit Bildern.

© /Chris Haring

ImPulsTanz-Kritik
08/06/2016

Chris Haring mit "Candy’s Camouflage"

Chris Haring/Liquid Loft mit "Candy’s Camouflage" bei ImPulsTanz im Akademietheater.

von Peter Jarolin

Der österreichische Choreograf Chris Haring und die amerikanische Pop-Art-Ikone Andy Warhol – das ist seit Jahren eine höchst fruchtbare künstlerische Kombination. Bereits in zwei Arbeiten ("Shiny, Shiny", "False Colored Eyes") hat sich Haring bei ImPulsTanz mit Warhols Welt auseinandergesetzt.

Und auch im dritten Teil der "Imploding Portraits Inevitable"-Serie steht Warhol bildgewaltig im Zentrum. Allerdings diesmal in Schwarz-Weiß, mit den Stilmitteln des Film Noir und mit der einst populären Warhol-Diva Candy Darling als Thema.

Eine Leinwand, mehrere Kameras und drei Tänzerinnen – mehr benötigt Haring auf der sonst leeren Bühne des Akademietheaters nicht, um zu virtuos komponierten, zwischen Understatement und Überhöhung changierenden Bilderwelten zu finden. Die Tänzerinnen (exzellent: Stephanie Cumming, Katharina Meves, Karin Pauer) ziehen sich um, aus, an, bedienen die Kameras, positionieren sich im Licht, ringen um nur kurz angedeutete (Lebens-)Geschichten, singen traurige Songs, tauchen im Dunkel ab, um nachher in anderer Manier wieder ins Rampenlicht zurückzufinden.

Surreal

Was Haring erzählt? Vieles! Denn da gibt es "Daddy’s little girl" ebenso wie die Diva, da wird ver-und entschleiert, da taucht eine Femme Fatale ebenso auf wie eine Hollywood-Queen. Haring und seine Tänzerinnen jonglieren perfekt mit Illusionen, Überblendungen oder Ausblendungen. In Close-Ups werden Gesichter, Körper surreal verzerrt, werden neue Identitäten geschaffen, Kunstwesen erfunden und wieder ins reale Geschehen zurückgeworfen. Ganz im Stil einer visuellen Bewusstseins-Stromtechnik lässt Haring die "Puppen" tanzen, die Bilder laufen und die jeweiligen Ebenen genussvoll verschwimmen.

Was ist Sein und was ist nur Schein? Der Betrachter bleibt stets im Ungewissen, wird zwischen den Erzählebenen hin-und hergeworfen. Man erahnt den philosophischen Überbau, gibt sich jedoch sehr bald den Leinwand gewordenen Assoziationen hin. Denn Haring ist ein exakter Meister der filmischen Kompositionen.

Und sollten die James-Bond-Produzenten jemals einen neuen Main-Titel-Designer brauchen, sie wären bei Haring wohl an der richtigen Adresse. Zu sehen noch heute, Sonntag.

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