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Filmfestival
05/22/2016

Cannes: Umstrittenes Finale mit Isabelle Huppert

Der Psycho-Thriller "Elle" sorgte für Szenenapplaus.

von Alexandra Seibel

Der letzte Film im Wettbewerb von Cannes sorgte für ein triumphales, wenngleich umstrittenes Finale: Paul Verhoevens eleganter, unberechenbarer und immens unterhaltsamer Psycho-Thriller "Elle" mit Isabelle Huppert als streitbarem Vergewaltigungsopfer erhielt Szenenapplaus, entzündete aber auch hitzige Debatten.

Das kommt nicht gerade überraschend für einen Filmemacher, dessen Werkliste Sex-Aufreger wie "Basic Instinct" oder "Showgirls" enthält. "Elle" ist die erste französische Produktion des 77-jährigen Holländers mit Hollywood-Affinität überhaupt – und nach zehnjähriger Kinospielfilmabstinenz fast so etwas wie ein Comeback.

Sexgelüste

Als wäre sie in eine Fortsetzung von Hanekes "Die Klavierspielerin" geschlüpft, spielt Huppert darin die großbürgerliche Michèle, Chefin eines Videospiel-Unternehmens mit vielseitigen sexuellen Gelüsten.

Sie beobachtet mit dem Fernrohr den Bewohner gegenüber oder bohrt heimlich unterm Tisch ihre Fußspitze zwischen die Beine ihres Sitznachbarn.

Nach einer Vergewaltigung in ihrem eigenen Haus – die Verhoeven übrigens keineswegs, wie immer wieder behauptet, irgendwie "lustvoll" darstellt, sondern einfach nur brutal – beginnt Michèle ihre Umgebung nach dem möglichen Täter abzusuchen. Dabei lässt sie sich keineswegs in die Opferrolle drängen, sondern folgt lieber dem eigenen Begehren.

Huppert ist gut wie selten

Verhoeven nützt Hupperts schlagfertige, unsentimentale Schauspielkunst maximal und provoziert Komik, wo man sie am wenigsten erwartet. "Elle" ist abgründig und witzig gleichermaßen, Isabelle Huppert gut wie selten – ein perfekter Abschlussfilm für Cannes ’69. Er erntete Buhrufe und Begeisterungsschreie – ganz in der Tradition von Cannes.

Die wichtigsten Gewinner in Cannes im Überblick:

Die Goldene Palme (Bester Film): Ken Loach

Der Große Preis der Jury: „Juste la Fin du Monde“ von Xavier Dolan

Der Preis der Jury: „American Honey“ von Andrea Arnold

Bester Darsteller: Shahab Hosseini in „The Salesman“

Beste Darstellerin: Jaclyn Jose in „Ma’ Rosa“

Fipresci-Preis der internationalen Filmkritik: „Toni Erdmann“ von Maren Ade (Deutschland) mit Peter Simonischek

Preis Un Certain Regard: „The Happiest Day in the Life of Olli Mäki“ von Juho Kuosmanen (Finnland)

Preis der Ökumenischen Jury: „It’s Only the End of the World“ von Xavier Dolan (Kanada)

Queer Palm: Die Doku „Les Vies de Therese“ von Sebastien Lifshitz (Frankreich)

Palm Dog: Die Bulldogge Nellie aus „Paterson“ von Jim Jarmusch. Nellie ist kürzlich verstorben und erhielt den Preis posthum.

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