George Clooney (Mitte) rappt sich durch die TV-Show "Money Monster“ - ein Film von Jodie Foster

© /Festival Cannes/Sony Pictures

Filmfestival
05/13/2016

Cannes: Familientreffen und Geiselnahmen

Jodie Foster kommt mit George Clooney und Julia Roberts; starke Beiträge aus Rumänien und Frankreich.

von Alexandra Seibel

Vierzig Jahre ist es her, seit Jodie Foster das erste Mal nach Cannes kam. Damals war sie 13 Jahre alt, hatte nach eigenen Angaben Pickel und eine schlechte Haarfarbe und spielte in einem Film mit, der heute längst Kultstatus hat: Martin Scorseses "Taxi Driver" .

"Damals hat mein Leben als Schauspielerin begonnen", verkündete eine strahlende Jodie Foster bei der Pressekonferenz in Cannes, wo sie ihren neuen Thriller "Money Monster" (Kinostart: 26. Mai) präsentierte. "Es ist fantastisch, heuer wieder hier zu sein und meinen Film neben denen eines Pedro Almodóvar oder eines Jim Jarmusch zu zeigen", sagt Foster in der für sie so typischen Sprechweise, die immer ein bisschen so klingt als hätte sie einen Kiesel im Mund. Zwar läuft "Money Monster", ein süffiger, letztlich aber auch recht simpel gestrickter Mainstream-Thriller, außer Konkurrenz. Aber mit "A-List"-Stars wie Julia Roberts und George Clooney im Paket, weiß man sofort, was dieser Film in Cannes zu suchen hat. Überhaupt George Clooney: Er spielt den Host einer Finanz-TV-Show namens "Money Monster" und gibt seinen Zusehern gute Tipps für ihre Geldanlagen. Als TV-Moderator reißt er den Kasperl herunter, rappt sich durch die Sendung und feuert mit Witzen um sich – bis sich ein frustrierte Zuseher ins Aufnahmestudio schleicht und ihn als Geisel nimmt.

"Wenn ich Sie sehe, dann habe ich das Gefühl, ich sehe den zukünftigen Präsidenten von Amerika vor mir", beteuert ein persischer Journalist bei der Pressekonferenz treuherzig. "Und das sagt ein Mann aus dem Iran", freut sich Clooney, um dem knallvollen Raum im Namen des liberalen Hollywood zu versprechen: "Es wird keinen Präsidenten Trump geben."

Abendessen

Bevor es allerdings zur US-Präsidentenwahl kommt, muss zuerst der Gewinner der Goldenen Palme gefunden werden. Die ersten beiden Wettbewerbsbeiträge zählen vielleicht nicht zu den unmittelbaren Anwärtern, legen aber ein hohes, wenngleich schräges Erzählniveau vor.

Cristi Puiu, profilierter Vertreter der Neuen Rumänischen Welle, gewann mit "Der Tod des Herrn Lazarescu" 2005 den Hauptpreis in Cannes in der Sektion "Un Certain Regard." Mit seiner sublimen Familiendramedy "Sieranevada" tritt Puiu heuer im Hauptbewerb an – übrigens in Konkurrenz mit Landsmann Cristian Mungiu, Palmengewinner von 2007.

In "Sieranevada" entfächert Puiu die (zerstörerische) Dynamik einer urbanen, rumänischen Großfamilie, in dem er knapp drei Stunden lang deren Wohnung so gut wie nicht verlässt. Oft befindet sich die Kamera einfach nur im Vorzimmer und linst in verschiedene Räume, in denen sich die Familienmitglieder ihre privaten Gefechte liefern. Anlass der Zusammenkunft ist der Erinnerungsgottesdienst für das verstorbene Familienoberhaupt – und ein running gag der sich in Echtzeit entfaltenden Geschichte besteht darin, dass niemand zu essen beginnen darf, bevor der Priester auftaucht. Puius verlangsamte Erzählweise trieb einige Besucher aus dem Kino; doch wer blieb, tauchte intensiv ein in dichtes, tragikomisches Geflecht aus familiärer Verbindlichkeit und verlogener Fassade.

Erstmals im Hauptwettbewerb lief auch ein Film von Alain Guiraudie, dessen schwuler Schocker "Der Fremde am See" 2013 in "Un Certain Regard" zu den Höhepunkten zählte. In "Staying Vertical" erzählt Guiradie von einem heimatlosen Drehbuchautor, der durch die französische Landschaft fährt und sein "panerotisches" Begehren sowohl auf eine junge Schäferin, wie auch auf einen alten sterbenden Mann ausdehnt. Guiraudie ist ein radikaler Erzähler, zeigt sexuelle Akte in aller Deutlichkeit und entwirft eine Männerwelt, die sich zuletzt dem Wolf annähert.
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