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Konzert
07/06/2013

Calexico und Amanda Palmer: Mehr als ein "Warm-Up"

In der Wiener Arena gab es am Freitag ein "Warm-Up" für das "Harvest of Art"-Festival in Wiesen.

von Peter Temel

Als "Harvest of Art Warm-Up" war das Konzert am Freitag in der Wiener Arena angekündigt. Ein Aufwärmen also für das eintägige "Harvest of Art"-Festival am 13. Juli in Wiesen, bei dem unter anderem die Arctic Monkeys, Bloc Party, Kate Nash und Get Well Soon auftreten werden.

Aber wenn Kaliber der Alternative-Szene wie Calexico und Amanda Palmer auf dem Line-Up stehen, ist klar, dass sich der Abend nicht in einem bloßen "Warm-Up" erschöpfen kann. Dementsprechend viel Publikum versammelte sich daher auch in der Arena, um wieder einmal ein richtiges Open-Air-Konzert auf Wiener Boden zu feiern. Der für 29. Juni angesetzt gewesene Auftritt der Ärzte in der Krieau wurde ja bedauerlicherweise abgesagt, und das Konzert der Queens Of The Stone Age von vergangener Woche war ja - fast ebenso bedauerlich - in die Wiener Stadthalle verlegt worden.

Die US-Sängerin Amanda Palmer wurde zunächst ihrem Ruf als exaltierte Stimmungskanone gerecht. Nicht umsonst bezeichnet sie selbst ihren Stil "Punk-Cabaret". In Wien trat die Ex-Dresden-Dolls-Hälfte gemeinsam mit dem Grand Theft Orchestra auf (Album: "Theatre Is Evil"). Palmer ließ sich vom Publikum durch die halbe Arena tragen und war auch sonst nicht um musikalische Gags verlegen. Einer der Höhepunkte war etwa das Pulp-Cover "Common People". Und am Ende spielte die Frau aus Massachusetts alleine auf der Ukulele "Creep" von Radiohead. Dass es da in der Höhe manchmal ordentlich quietschte - egal. "Genießt euch," gab Palmer dem Publikum noch auf Deutsch mit auf den Weg.

Wüstenatmosphäre

Zum Genießen war der abschließende Auftritt von Calexico dann in der Tat. Die Band aus Tucson, Arizona, die so schwer in eine Schublade zu stecken ist, wie kaum eine andere, zauberte wärmste Wüstenatmosphäre unter den wolkenverhangenen Wiener Himmel. In diesem Sinne war der Abend tatsächlich "zum Aufwärmen" geeignet. Die bewährte Calexico-Mischung aus Latino-Klängen, Jazz-, Folk- und Country-Einflüssen und einer Prise Rock zieht bei den Wien-Gastspielen stets eine treue Fangemeinde an.

Das Song-Material stammte nicht nur aus dem aktuellen Calexico-Album "Algiers" ("Splitter", "Para"), sondern geizte auch nicht mit Stücken aus den früheren Alben. Gitarrist und Sänger Joey Burns sang etwa "Minas de Cobre (For Better Metal)" oder "Ballad of Cable Hogue". Immer wieder lobte er die Atmosphäre, die "wie immer" in Wien bestens sei. Drummer John Convertino, zweites Gründungsmitglied der Band, verlieh der entspannten Open-Air-Stimmung den lässigen Beat.

Die gesamte Tour-Besetzung harmonierte wunderbar. Die Bläser durften sich freilich bei "Crystal Frontier" am meisten austoben, dazu mischten sich fein ziselierte Vihuela-, Akkordeon- und Vibrafonklänge.

Im Zugabenteil des neunzigminütigen Auftritts kam - nach den vielen Wüsten-Balladen im Cruising-Tempo - dann sogar noch Latino-Partystimmung auf. Den Song "Guero Canelo" spielten Calexico im Medley mit "Desaparecido" von Manu Chao.

Auch wenn man ein Calexico-Konzert nicht unbedingt als "Warm-Up" bezeichnen sollte: Wenn daraus inspirierende Abende unter freiem Himmel entstehen, wie vergangenen Freitag, dann ist die Namensgebung auch schon egal. Die "Ernte der Kunst" (engl. Harvest of Art) wurde jedenfalls bereits in Wien eingefahren. In Wiesen geht's am Wochenende weiter.

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