Keine Bewerber, sondern Marathonläufer. Für den neuen Burg-Chef wird’s aber auch sehr anstrengend.

© APA/HERBERT PFARRHOFER

Findungskommission
04/18/2014

Das Rennen um die Burg

Kulturminister Ostermayer will Vorschläge bis Ende September. Entscheidung über neuen Burgchef soll bis Ende des Jahres fallen.

von Gert Korentschnig

Sei personaggi in cerca d’autore“ heißt ein Stück von Luigi Pirandello – sechs Personen suchen einen Autor.

Im Fall des Wiener Burgtheaters heißt es ab sofort: Sechs Personen suchen einen Direktor. Vielleicht wird es sogar ein Autor. Wahrscheinlicher ein Regisseur. Höchstwahrscheinlich ein Kulturmanager. Bestimmt ein Theaterexperte von Rang (jede Bezeichnung ist freilich in der weiblichen Form mitzudenken).

Kulturminister Josef Ostermayer gab am Freitag sein „Sixpack“ bekannt, das ihm bis Herbst einen Dreiervorschlag für die künstlerische Leitung der größten deutschsprachigen Bühne ab der Saison 2016/’17 erstellen soll.

Zwei Mitglieder dieser Findungskommission sind exzellente Kenner des Burgtheaters und als solche nominiert, zwei kommen aus dem Burg-Aufsichtsrat, weitere zwei wurden von Ostermayer als „Kulturexperten mit einem Blick von außen“ berufen.

Das Direktoren-Suchteam besteht aus:

Gert Voss: Der Schauspielstar, Jahrgang 1941, war mit Claus Peymann 1986 nach Wien gewechselt und hatte die Herzen der Theaterliebhaber gleich zu Beginn mit grandiosen Darstellungen, etwa mit „Richard III.“ oder im „Sturm“ erobert. Voss war zuletzt auch intern ein sehr kritischer Geist, verstand sich jedoch mit der gekündigten Ex-Geschäftsführerin und Vizedirektorin Silvia Stantejsky exzellent – sie sei „eine der wichtigsten Personen“ in seinen Wiener Jahren gewesen, sagte er.

Hermann Beil: Der legendäre Dramaturg von Claus Peymann, ebenso Jahrgang 1941, war knapp davor, nach der Entlassung von Matthias Hartmann interimistischer Direktor zu werden, steht nun aber der amtierenden Chefin Karin Bergmann als Berater zur Verfügung.

Christian Strasser: Der Direktor des MuseumsQuartiers, Jg. 1962, ist Vorsitzender des Aufsichtsrates des Burgtheaters, will sich aber nach der Bereinigung der akuten Probleme aus dieser Funktion wieder zurückziehen.

Susanne Moser: Die gebürtige Salzburgerin sitzt ebenso im Burg-Aufsichtsrat (sowie in den anderen Bundestheater-Aufsichtsräten). Sie ist seit 2005/’06 geschäftsführende Direktorin der Komischen Oper Berlin . Von 1999 bis 2001 war sie Assistentin der kaufmännischen Geschäftsführung der Burg und für Controlling zuständig.

Elisabeth Sobotka: Die Wienerin war Operndirektorin der Berliner Staatsoper Unter den Linden, leitet seit 2009 die Grazer Oper und übernimmt 2015 als Nachfolgerin von Intendant David Pountney die Bregenzer Festspiele. Sie soll für einen Blick von außen sorgen – ebenso wie das sechste Mitglied der Kommission. Dieses ist:

Götz Spielmann: Der Regisseur, Jahrgang 1961, zählt zu den wichtigsten österreichischen Autorenfilmern, sein Film „Revanche“ war 2009 für den Auslands-Oscar nominiert.

Diese Findungskommission soll bis zum Ende der Ausschreibung (16. Juni) aktiv Kandidaten ansprechen, die Bewerbungen sichten, prüfen und dem Kulturminister bis Ende September einen ungereihten Dreiervorschlag machen. Wer das Rennen macht, soll bis Ende des Jahres entschieden sein.

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