Burgtheater-Finanzskandal: Wer wusste wie viel – und wer sah zu angestrengt weg? Der Kulturminister fragt den Rechnungshof.

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Burgtheater
03/05/2014

Ostermayers Gretchen-Fragen

Der Rechnungshof soll vor allem das Verhalten von Burg-Führung und Holding prüfen.

von Guido Tartarotti

Kulturminister Josef Ostermayer hat, wie ausführlich berichtet, den Rechnungshof beauftragt, die Geschäftsgebarung des Burgtheaters seit der Saison 2008/2009 genau unter die Lupe zu nehmen – und dabei besonders darauf zu achten, ob die Bundestheater-Holding ihre Kontrollfunktion wahrgenommen hat.

In einem Schreiben an den Rechnungshof, welches mittlerweile öffentlich bekannt wurde, listet Ostermayer mehrere Punkte auf, die er geprüft sehen will:

Offene Fragen

Entsprachen Bilanzerstellung, die Darstellung der Liquidität sowie Betriebsführung den Grundsätzen einer ordnungsgemäßen Geschäftsgebarung? Sind Mittelentnahmen und Einzahlungen durch entsprechende Belege nachvollziehbar, entsprach die durch Belege dargestellte Lage den tatsächlich erbrachten Leistungen? Haben Personalpolitik und Führungsstruktur den Anforderungen der Institution Burgtheater entsprochen? Haben das Haus und die Holding dem Bundestheatergesetz entsprechend agiert?

Und die entscheidende Frage: Ist dem Burgtheater durch Geschäftsgebarung und mangelnde Kontrolle Schaden entstanden?

Vereinfacht formuliert heißt das: Ostermayer lässt drei Personen überprüfen.

1.) Die entlassene Geschäftsführerin Silvia Stantejsky und ihre "kreative" Buchführung, bei der rote Zahlen durch kurzfristige Einzahlungen geschönt wurden.

2.) Den Bundestheater-Holding-Chef Georg Springer, der die Aufsichtsfunktion innehatte – hätte ihm etwas auffallen müssen?

3.) Den Burgtheaterdirektor Matthias Hartmann, der stets beteuert, es sei ihm unmöglich gewesen, das buchhalterische Chaos zu überblicken. Hat er zu wenig genau hingeschaut bzw. zu angestrengt weggeschaut?

Vom Ergebnis der Untersuchung durch den Rechnungshof wird auch die berufliche Zukunft der drei Hauptpersonen in diesem Theaterstück abhängen.

Die Burg-Bilanz der Saison 2012/13 könnte nach Angaben des Aufsichtsrats einen Verlust von 8,3 Millionen Euro ergeben. 2,7 Millionen davon werden auf Malversationen zurückgeführt. Dazu kommen weitere fünf Millionen wegen möglicher Steuernachzahlungen. Wegen des Verdachts auf Urkunden-, Beweismittel- und Bilanzfälschung, Geldwäsche und Untreue wurde die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Die ehemalige Kaufmännische Geschäftsführerin Stantejsky bestreitet alle Vorwürfe und hat gegen ihre fristlose Entlassung Klage eingereicht.

Kritik

Via Falter übt der ehemalige Intendant der Münchner Kammerspiele und Kurzzeit-Schauspielchef in Salzburg, Frank Baumbauer, harte Kritik an Hartmann: Ein Intendant dürfe nicht "Groupie des Spielplans" sein, sondern müsse in Zusammenarbeit mit der kaufmännischen Geschäftsführung "das große Ganze" im Blick behalten.

Kritik kommt auch vom Leiter des "donaufestivals", Tomas Zierhofer-Kin: Die undurchsichtige Gebarung der Burg sei "schamlos". Zudem würde die Politik für große Häuser überproportional viel Geld ausgeben und kleinere Bühnen aushungern.

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