Wiener Burgtheater

© KURIER /gnedt martin

Burgtheater-Kongress
10/16/2013

Der Auftritt des Billeteurs

"Von welchem Theater träumen wir?", fragte das Burgtheater. Ein Billeteur sorgte mit seiner Sicht für Aufsehen.

Zu seinem 125. Bestehen stellte das Burgtheater in einem Kongress am Wochenende die Frage: "Von welchem Theater träumen wir?" Den eigenen Mythos wollte man reflektieren und Ausblicke in die Zukunft des Mediums Theater wagen. In seiner Festrede am Sonntag sprach Burg-Direktor Matthias Hartmann über das Problem der nicht erhöhten Subventionen - mit breitem Medien-Echo, auch im KURIER. Die in den vergangenen Jahren entstandene Notwendigkeit zur Absenkung der Personalkosten sprach Hartmann ebenfalls an.

Weniger Medien-Echo bekam zunächst der Auftritt eines Mannes, der nicht auf der Rednerliste stand. Er nutzte am Samstag eine kurze Redepause dazu, die Bretter des Burgtheaters zu betreten und stellte sich höflich als Christian Diaz vor. Er sei einer der Billeteure des Burgtheaters vor und bat das verdutzte Auditorium darum, fünf Minuten lang über die "Utopie Theater" sprechen zu können, und darüber, was "vor" den Türen des Burgtheaters geschehe. Aber nach wenigen Sätzen wurde er von der Kuratorin des Kongresses, Karin Bergmann, unterbrochen und darauf vertröstet, später in einem anderen Forum sein Anliegen vorzutragen zu können.

Ausgelagert

Dennoch durfte Diaz wenigstens noch seine Kernbotschaft unterbringen: Dass die Platzanweiser des Burgtheaters an die dänisch-britische Sicherheitsfirma G4S ausgelagert seien. Es tue ihm "in der Seele weh, dass das Medium Theater in vielerlei Hinsicht mit multinationalen Unternehmen zusammenarbeitet, und dass das hier nicht thematisiert wird". Thematisieren wollte der Billeteur das in seiner Rede, die auf einem Tumblr-Blog veröffentlicht wurde.

Der überraschende und bemerkenswerte Auftritt im Burgtheater wurde hingegen auf YouTube als Video veröffentlicht:

Die Intervention des Billeteurs wurde in deutschen Medien thematisiert und auch auf Twitter und Facebook diskutiert.

Reaktion des Burgtheaters

Das Burgtheater sah sich schließlich zu folgender Reaktion veranlasst, die per Aussendung veröffentlicht wurde:

"Auf dem Jubiläumskongress des Burgtheaters nutzte ein Billeteur die offene Bühne, um eine Anklage gegen seinen Arbeitgeber, die Firma G4S, vorzubringen, die den Publikumsdienst stellt, seitdem 1996 diese Dienste aus Einsparungsgründen vom Bundestheaterverband ausgelagert werden mussten. Er verteilte ein Flugblatt, in dem er fälschlicherweise das Burgtheaterlogo verwendete, um auf die verzweigten Geschäfte der weltweit agierenden Konzerne hinzuweisen, welche mit dem Burgtheater in Zusammenhang zu bringen sind.

Die Direktion des Burgtheaters hat Sympathien mit allen, die in den globalisierten Märkten Gerechtigkeit suchen. Es ist uns bewusst, dass mit dem Besuch einer Tankstelle oder eines Oberbekleidungsgeschäftes der aufgeklärte Bürger in ständigen Gewissenskonflikt gerät. Nach unseren Recherchen wurden die Geschäftsgebaren der Sicherheitsfirma in Österreich immer wieder als gesetzeskonform überprüft. Die diensthabenden Kollegen des Billeteurs haben sich nicht mit seiner Aussage solidarisiert."

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