Der ehemalige Burgtheater-Direktor Matthias Hartmann

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Theaterpreis vergeben
08/28/2014

Burgtheater ist für Kritiker "das größte Ärgernis des Jahres"

Das Berliner Gorki Theater wurde erstmals zum Theater des Jahres gewählt.

Das Berliner Maxim Gorki Theater unter der Leitung von Shermin Langhoff und Jens Hillje ist Theater des Jahres. Die deutschsprachigen Theaterkritiker wählten die Berliner Bühne zum ersten Mal auf Platz eins der jährlichen Bestenliste. Damit zeichneten sie die neue Intendanz gleich für ihre erste Spielzeit an dem Haus aus.

Langhoff hatte sich vor zwei Jahren entschieden, nicht als stellvertretende Intendantin und Chefkuratorin zu den Wiener Festwochen zu gehen, sondern die Leitung des im ehemaligen Ostberlin gelegenen 400-Plätze-Hauses zu übernehmen.

"Größtes Ärgernis des Jahres"

Wien indes ist der Schauplatz "für das mit Abstand größte Ärgernis des Jahres": Dafür sorgten "Matthias Hartmann und das Finanzdebakel am Wiener Burgtheater", so das Fazit der Kritikerumfrage der Fachzeitschrift Theater heute, die der dpa vorliegt.

Schauspielerin des Jahres ist Bibiana Beglau (43) vom Residenztheater München. Zum Schauspieler des Jahres wurde Peter Kurth (57) vom Schauspiel Stuttgart gewählt. Beglau wurde von der Mehrheit der 44 Theaterkritiker aus Deutschland, Österreich und der Schweiz für ihre Rolle als Bardamu in Frank Castorfs Inszenierung von Louis-Ferdinand Célines "Reise ans Ende der Nacht" ausgewählt. Kurth holte sich die begehrte, undotierte Auszeichnung für die Titelrolle in Robert Borgmanns Tschechow-Inszenierung "Onkel Wanja".

Sibylle Berg ausgezeichnet

Zum besten Stück des Jahres wurde Sibylle Bergs am Berliner Maxim Gorki Theater uraufgeführtes Werk "Es sagt mir nichts, das sogenannte Draußen" gewählt. Mit Dimitrij Schaad kommt auch der Nachwuchsschauspieler des Jahres vom Gorki Theater. Beste Nachwuchsschauspielerin wurde Katharina Knap als Sonja im Stuttgarter "Onkel Wanja".

Inszenierung des Jahres ist Karin Henkels Kleist-Interpretation "Amphitryon und sein Doppelgänger" vom Schauspielhaus Zürich. Das beste Bühnenbild stammt von dem Serben Aleksandar Denic, der die Räume für Castorfs "Reise ans Ende der Nacht" schuf.

Zur besten Kostümbildnerin wurde wie bereits im vergangenen Jahr Victoria Behr gekürt, die die Schauspieler in Herbert Fritschs Werk "Ohne Titel Nr. 1" an der Berliner Volksbühne einkleidete. Als bester ausländischer Autor wurde der Brite Martin Crimp für "Alles Weitere kennen Sie aus dem Kino" (Deutsches Schauspielhaus Hamburg) geehrt.

Ärgernis des Jahres

Man muss Kritikerumfragen an und für sich wahrlich nicht wichtig finden. Aber in welcher Form die österreichischen Bühnen in der neuen Bestenliste der deutschsprachigen Theaterkritiker für Theater heute vorkommen, das kann, nein: das muss man als Alarmsignal werten.

Denn die heimischen Theater kommen genau zwei Mal vor, und beide Male nicht als "bestes" Irgendwas. Sondern einmal als "Ärgernis des Jahres", und das ist, man wird es sicherlich erraten, das Burgtheater. Da hat man nun also das vielleicht betrüblichste Resultat des Finanzskandals, der die Institution beutelt: Das Künstlerische ist unter der Last der Miss-, Schatten- und Freunderlwirtschaft und des gegenseitigen Aneinanderabputzens untergegangen.

Es sind nicht mehr die Bretter, die die Welt bedeuten. Es sind die Bilanzen.

Und ein zweites Mal kommt Österreich noch vor – indirekt. Theater des Jahres wurde das Berliner Maxim Gorki. Geleitet wird es von Shermin Langhoff. Sie sollte Theaterchefin der Wiener Festwochen werden, hat aber noch vor ihrem Amtsantritt wieder abgesagt. Man kann zu Langhoffs Theater geteilter Meinung sein – aber selbst das arme Berlin scheint Strukturen zur Entfaltung von Theaterpositionen zu haben, die hier längst abhanden gekommen sind.

Ach ja: Das Wiener Volkstheater bittet um Spenden. Das Dach ist undicht.

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