käthchen/sie

© /Reinhard Maximilian Werner/Burgtheater

Interview
01/23/2015

Raubersg’schicht mit Baustellen

Die Hauptdarsteller der Burg-Premiere von "Das Käthchen von Heilbronn" am Samstag im Interview

von Guido Tartarotti

Interviewtermin in der Garderobe von Sarah Viktoria Frick (Käthchen), direkt nach der Probe. Sie bestellt hungrig einen Teller Pommes frites. Fabian Krüger (Wetter vom Strahl), sichtlich müde, betritt die Garderobe.

Frick: Pommes?

Krüger: Nein, ich hätte jetzt lieber etwas zu trinken (nimmt sich Pommes).

KURIER: Wie laufen die Proben?

Krüger:Ich bin angenehm verzweifelt. Aber das ist in Ordnung so, das passt. Es sind noch zwei, drei Baustellen ...

Frick: Aber ich glaube, das sind Baustellen, die bald verschwinden werden.

Das ist ein herrliches Stück, aber auch eine Raubersg’schicht.

Krüger: Es gibt Dinge da drin, die finde ich herrlich. Andere wieder ... da gibt es Sätze, da habe ich das Gefühl, ich bräuchte einen Hofstaat um mich herum.

Der Wetter vom Strahl ist auch keine einfache Rolle.

Frick: Vor den Proben wollte ich ja am liebsten seine Rolle spielen, aber jetzt ...

Krüger: Danke, vielen Dank (beide lachen)!

Frick: Du machst das super!

Krüger:Das sagen alle, aber ich merke, wie sie alle Erbarmen haben!

Das Käthchen wieder gilt als Traumrolle, oder?

Frick: Doch. Aber dieses Hauchige (spielt "naives Mädchen" vor) macht mir immer erst Probleme.

Krüger: Bei Wetter vom Strahl denkt halt jeder an einen Ritter in glänzender Rüstung, zwei Meter zehn groß, blond, breite Schultern ... und diese Spur darfst du beim Spielen nicht verlassen.

Frick: Irgendwann macht es sicher Spaß, einen Gefühlskrüppel zu spielen. Die Arbeit davor ist vielleicht nicht so lustig.

Krüger: Ein Gefühlskrüppel, das wäre ja schön ...

Frick: Aber du bist doch ein Gefühlskrüppel!

Krüger: Vielleicht ist er eine Art Nerd ... Es ist so schwierig zu entschlüsseln, lässt viele Möglichkeiten zu.

Vielleicht kann man dieses Stück gar nicht entschlüsseln. Es besteht aus Behauptungen. Was treibt sie zum Beispiel an, diesem Ritter in bedingungsloser Liebe nachzulaufen?

Frick: Weil sie daran glaubt. Und da gibt es nichts zu hinterfragen.

Sie ist weltfremd. Im positiven Sinn, also nicht korrumpierbar.

Frick: Ja. Schön. So ist es.

Die Handlung ist wie ein wildgewordenes Märchen, voll von Rittern, verschollenen Töchtern, Engeln. Wie spielt man das für ein heutiges Publikum?

Frick: Ironiefrei. Das ist sicher eine der vielen Kleistschlüssel. Wie naive Malerei. Andererseits muss man aufpassen, dass die Geschichte nicht zu lieb erzählt wird. Und Engel muss man als Engel zeigen.

Ist das Stück, wie alle Märchen, auch Tiefenpsychologie?

Krüger: Ob meine Figur, Graf Wetter vom Strahl, von einem göttlichen Gebot bewegt wird oder von etwas aus den Tiefen seiner Seele, das weiß ich nicht. Ich weiß nur eines: Er hat keinen Psychologen, zu dem er gehen kann (lacht).

Am Ende zeigt sich, dass Käthchen die Kaisertochter ist, die er immer haben wollte. Aber eigentlich ist das für beide enttäuschend. Kein echtes Happy End.

Frick: Oh nein!

Krüger: Als ich das mit 13 oder 14 gelesen habe, dachte ich: Endlich kriegt er sie! Hochzeit! Und dann dachte ich: Komisch, das hat Kleist aber nicht gut geschrieben ... Und wenn ich es heute lese, merke ich: Er hat da eine Falle eingebaut. Das knirscht, dass es fast gruselig ist.

Frick: Wenn man es auf heute übersetzen wollte, könnte man sagen: Sie sind im Alltag angekommen. Zuerst war Traum, jetzt ist Realität. Dann stellt sich die Frage: Können die beiden damit umgehen? Zusammen?

Krüger: Vielleicht prallen sie jetzt erst recht auf ihre Trugbilder und Sehnsüchte.

Apropos: Nach dem Ende des Finanzskandals – wie ist die Stimmung jetzt im Burgtheater?

Frick: Es ist ruhig.

Krüger: Über die Krise wurde hinweggegangen. Eine grausige und ungerechte Geschichte für die Betroffenen. Köpfe ab, Machtwechsel, die neuen Spieler eingesetzt. Das Neue muss sich etablieren. Ich wünsche uns Lust und Mut und nicht Angst.

Frick: Ich war irgendwann einfach nur froh, als es endlich wieder darum ging, was auf der Bühne passiert. Und man darf das auch sagen: Es war ein hässliches Jahr.

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