Kultur
23.09.2012

Braunschlag ist längst untergegangen

Das Dorf gab es wirklich. Doch die 80 sudetendeutschen Einwohner wurden nach dem Zweiten Weltkrieg vertrieben.

Der Weg nach Braunschlag ist nicht leicht zu finden. Keine Spur vom korrupten Bürgermeister, kein Anzeichen einer Dorfdisco. Und kein Wunder durch eine Marienstatue. Anders als in der gleichnamigen ORF-Serie ist das Dorf bereits untergegangen. Und zwar nur wenige Kilometer von den Drehorten entfernt. Braunschlag gab es wirklich. Einen Steinwurf von der Waldviertler Grenze entfernt. Braunschlag – ein Dorf, das nach dem Zweiten Weltkrieg fast vollständig dem Erdboden gleichgemacht wurde. Die rund 80 Bewohner, allesamt Sudetendeutsche, wurden ausgesiedelt.

Die schmale Straße teilt sich irgendwo im Nirgendwo. Nur ein unscheinbarer Stein-Wegweiser mit Rechtschreibfehler zeigt den Weg. Nach Braunshlag geht’s links. Zwischen endlosen Wiesen und dichten Wäldern tut sich plötzlich eine kleine Siedlung auf. Sogar mit Bushaltestelle. Endstation Mýtinky – das ist das, was von Braunschlag übrig blieb. Unterm Strich ist das fast gar nichts. Drei Häuschen in schlechtem Zustand nebeneinander. Ein alter Viehstall mit löchrigem Dach, zerborstenen Fenstern, verwuchert. Da öffnet sich ein Fenster. Ein alte Frau wundert sich über die fremden Gesichter. "Ich wohne seit 70 Jahren hier", sagt sie. "Alle anderen sind weggezogen."

 

Nicht alle. Plötzlich tauchen Nadja und ihre kleine Tochter auf. "Nein, ich wohne hier nicht", sagt sie. "Aber meine Mutter und meine Schwester."

Englisch spricht hier keiner, Deutsch schon gar nicht. Die wenigen Menschen, die hier leben, sind nicht auf die Butterseite des Lebens gefallen. Doch ein wenig weiter, die schmale Straße entlang, die am Teich endet, ist ein Neubau zu sehen. Das einzige Zeichen von ein wenig Wohlstand weit und breit.

Reich war Braunschlag auch früher nicht. Die Bewohner waren Handwerker oder Bauern – Sudetendeutsche und Juden. 20 Häuser und ein Meierhof, der vermutlich einem Juden gehörte. "Während des Kriegs mussten wir dort Kartoffeln hinliefern", erinnert sich Siegfried Hirsch aus Reingers. "Für die Brennerei." Viele Bewohner der Gemeinde seien einst dorthin arbeiten gefahren, erinnert er sich. Doch nach der Vertreibung wurde das Dorf zerstört.

Die meisten Vertriebenen wurden nach Deutschland gebracht. Nur wenige fanden in Österreich ihre neue Heimat. Die Frau von Siegfried Hirsch ist eine davon. "Nach der Grenzöffnung waren wir einmal drüben", erzählt er. Vom Elternhaus war nichts mehr da. Doch eine Scherbe hat die Jahrzehnte überlebt. "Eine Scherbe von ihrem Kaffeehäferl."

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