Wolfgang Böck als Anton Galba, Tobias Moretti als Polizist Nathan Weiss (20.15 Uhr, ORFeins)

© ORF/Oliver Roth

Landkrimi
12/27/2014

Böses tun, um die Welt zu retten

Der dritte Teil der ORFeins-Reihe ist "eine ethische Parabel über die Entstehung des Faschismus", erklärt Regisseur Bilgeri. Und: ein unterhaltsamer Film.

von Anna Gasteiger

Verraten wir – allen, die den zugrunde liegenden Roman von Christian Mähr nicht gelesen haben – nicht zu viel: Anton Galba, Leiter der Abwasserreinigungsanlage Dornbirn (Wolfgang Böck), muss einen lästig gewordenen Mitarbeiter im Häcksler verschwinden lassen. Der Polizist Nathan Weiss (Tobias Moretti) durchschaut seinen Jugendfreund sofort. Doch anstatt ihn festzunehmen, macht er ihm einen überraschenden Vorschlag. Daraus entwickelt sich eine zunehmend schräge Geschichte, die Reinhold Bilgeri lustvoll und mit einem hochkarätigen Schauspielerensemble – in weiteren Rollen: Petra Morzé, Christoph Grissemann u.a. – inszeniert.

Im Interview spricht der Hohenemser über die Schwierigkeiten, einen Film auf Vorarlbergerisch zu drehen, und über das Lachen, das in der Kehle stecken bleibt.

KURIER: Haben Sie den Stoff vorgeschlagen oder wurde er Ihnen vorgeschlagen?

Reinhold Bilgeri:Er wurde mir vorgeschlagen. Aber ich kenne den Christian Mähr seit meiner Kindheit, wir sind miteinander im Gymnasium gewesen und haben uns gegenseitig unsere Geschichten vorgelesen in den 60er- und 70er-Jahren. Ich bin ein Fan der ersten Stunde. Ich habe seine unheimlich eloquente, elegante Prosa immer schon geliebt. Und vor allem dieses Buch. Als ich das Treatment gelesen habe, habe ich gewusst, ich will das unbedingt machen. Weil das liegt mir sehr nahe. Ich bin ja selbst Vorarlberger.

Ihre Schauspieler nicht, Wolfgang Böck stammt zum Beispiel aus Linz. Was muss ein Schauspieler mitbringen, um als Vorarlberger durchzugehen?

Musikalität, das ist alles. Ein guter Schauspieler muss musikalisch sein. Ein Schauspieler muss Dinge abrufbar haben, das sind die Parodien seines Lebens. Schauspieler machen Menschen nach. Und zu dieser Parodie filtern sie aus ihrer eigenen Erfahrung ihre Seele dazu. Das ist das, was ein Schauspieler macht. Mehr ist es nicht. Aber das ist viel. Und hochkomplex. Und der Moretti ist ein ganz grandioser Schauspieler, den ich sogar zügeln musste, was den Dialekt anbelangt, weil er so gespielt hat mit der Phonetik, dass er schon fast ins Schweizerische hineingeschwappt ist.

Wo ist die Grenze des Realismus? – Es muss ja trotzdem verständlich bleiben für Rest-Österreich.

Eben, das ist eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. Ich krieg sicher Schläg’ für den Film. Aber ein intelligenter Zuseher kommt mit. Und wenn die Deppen abschalten, ist’s mir auch wurscht. Es gibt zwölf Dialekte in Vorarlberg. Allein das Wort daheim. Da kann ich sagen: dahui, dahoa, dahem, daham. Egal, was ich nehm’, irgendwer ist immer unzufrieden.

"Alles Fleisch ist Gras" ist kein typischer Krimi.

Ein typischer Krimi ist so: Etwas Schlimmes passiert und dann kommt die Polizei, klärt alles auf und am Schluss ist die Welt wieder heil. Bei uns ist das ganz anders. Das ist das Perfide an dieser Geschichte. Es ist eine ethische Parabel über die Entstehung von Faschismus oder Mafia. Sobald Menschen ohnmächtig werden und nicht mehr daran glauben, dass die Gerichtsbarkeit funktioniert, wie sie sollte, nehmen sie das Ding selber in die Hand. Die Rolle des Polizisten Nathan Weiss war für den Moretti wirklich eine Herausforderung, glaube ich, weil er mephistophelisch ist – aber mit einem positiven Approach. Er will ja die Welt retten; aber er tut es, indem er Böses tut.

Und das mit großer Konsequenz…

Gut, das ist auch etwas spezifisch Vorarlbergerisches – man darf das bitte alles nicht zu ernst nehmen, da ist viel Ironie und viel Augenzwinkern dabei – aber der Vorarlberger Mensch, wenn man das überhaupt sagen darf, aber jetzt sind wir ja in der Ironie, ist sehr sauber. Sehr diszipliniert und gründlich. Und so wird dort auch gemordet und entsorgt.

Der Film wandelt auf dem schmalen Grat zur Komödie.

Klar, das Lachen soll dir in der Kehle stecken bleiben. Das Gefährliche an dem Film ist ja die Unterschwelligkeit, das, was zwischen den Worten passiert. Darum ist der Film ja nicht nur lustig. Ich hab’ ab und zu an Tarantino gedacht. Eine Szene hab ich wie bei Sergio Leone aufgenommen, von der Positionierung der Schauspieler her, das dumpfe Licht und die karge Landschaft. Ich habe mit Absicht zitiert – Leone, Hitchcock – und trotzdem ist es meine eigene Handschrift.

Hatten Sie bei der Umsetzung freie Hand?

Mi kannst ned z’ruckpfeifen. Entweder glaubt man an mich, oder nicht. Ich weiß schon, was ich tu’.

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