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Kultur
05/10/2012

"Blair Witch Project" als Komödie

Regisseur Sönke Wortmann über seinen neuen Film "Das Hochzeitsvideo", den er mit Handkameras und unbekannten Schauspielern drehte.

von Susanne Lintl

Zwei Bekannte filmen mit Handkamera die Geschehnisse rund um die Hochzeit ihrer Freunde Pia und Sebastian – Peinlichkeiten, Pikanterien, Zoff und dumme Scherze inklusive. Das ist die Grundidee von Sönke Wortmanns neuem Film "Das Hochzeitsvideo" (ab Freitag im Kino). Der Mann aus Düsseldorf, der zuletzt das Historiendrama "Die Päpstin" und zuvor die Fußballfilme "Das Wunder von Bern" und "Deutschland – Ein Sommermärchen" vorlegte, wollte zur Abwechslung wieder etwas Lustiges machen.

KURIER: Ihr Film erinnert sehr stark an die US-Komödien "Hangover" und "Brautalarm". Haben Sie da Anleihen genommen?
Sönke Wortmann: Ja, ich habe es schon sehr bewundert, was den Drehbuchautoren da eingefallen ist. "Hangover" hat die Latte schon sehr hoch gehängt. Ich wollte das aber nicht nachmachen, überhaupt nicht. Einer meiner Produzenten, Stefan Müller, hat mich bei der Berlinale gefragt, ob ich nicht Lust hätte, eine Art "Blair Witch Project" als Komödie zu machen. Ich wusste, was er meinte, und da war dann schnell die Richtung klar.

Sie haben ausschließlich mit Theaterschauspielern gearbeitet, die in unseren Breiten kaum einer kennt.
Das war für mich die Herausforderung: Neue Leute zu finden, die keiner kennt. Weil sich die Familie im Film ja auch noch nicht kennt. Wenn da jemand Bekannter auftauchen würde auf der Leinwand, dann wäre diese Authentizität, die mir ja so wichtig war beim "Hochzeitsvideo", schon wieder flöten gegangen. Theaterschauspieler habe ich deshalb genommen, weil ich mit denen ausschließlich gute Erfahrungen gemacht habe. Sie sind gut ausgebildet und können auf alles reagieren. Wir haben oft sehr lange Szenen ohne Schnitt gedreht – das kann man gar nicht spielen, wenn man keine Bühnenerfahrung hat.

Gehen Sie gern ins Theater?
Ich gehe wieder gern ins Theater. Ich hatte mal eine längere Pause, weil es mich genervt hat, dass, wann immer ich in einem Stück war, irgendwelche Leute nackt herumliefen, und ich verstand nicht warum. Jetzt musste ich mir ja für das Casting viele Leute auf der Bühne angucken und da habe ich das Theater wieder entdeckt. Zudem hat der Film dazu geführt, dass ich nach vier Jahren wieder einmal Theaterregie gemacht habe in Berlin.

Ist es schwerer, eine gute Komödie zu machen als ein Drama?
Nee, es ist nicht schwerer. Bei so einem großen Historiendrama wie "Die Päpstin" ist die Last ja auf viele Schultern verteilt: Der Ausstatter hat eine große Verantwortung, der Maskenbildner, die Kostümbildnerin. Hier stehen die Schauspieler und der Regisseur im Mittelpunkt. Die anderen Abteilungen sind nicht so vordergründig. Aber ich drücke mich nicht vor der Verantwortung. Ich mache beides gern. Ich bin froh und stolz, dass ich aus den Schubladen nochmal rausgekommen bin, bevor die zu waren.

Mit einer Schublade meinen Sie Ihre Fußballfilme?
Ja, ich habe wirklich eine Affinität für Fußball. Hab’, als ich jünger war, ja auch selber relativ hochklassig gespielt. "Das Wunder von Bern" war mein Herzensprojekt, dann hab’ ich mich noch zwei Mal dem Fußball gewidmet mit "Deutschland – Ein Sommermärchen" und dem Piloten für eine Serie. Diese Phase ist jetzt vorbei. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich zum Thema noch etwas beitragen kann. Aber natürlich werde ich auch bei dieser EM wieder vor dem Fernseher sitzen und mir etliche Spiele angucken.

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