"Bin geradezu süchtig nach Rossini"

Tara Erraught…
Foto: IMG Artists Mit Leidenschaft: Tara Erraught meistert auch anspruchsvollste Koloraturpartien.

Eine zauberhafte Märchen-Komödie: Tara Erraught ist die Angelina in der neuen „Cenerentola“.

I love it! I really love it!“ 25 Jahre jung ist sie und hat die ersten Sprossen der Karriereleiter bereits im Sturm genommen: Tara Erraught, die neue „Cenerentola“ an der Wiener Staatsoper. Mit jugendlichem Enthusiasmus spricht sie über den Rossini-Evergreen, der jetzt nach fast drei Jahrzehnten in einer Neuinszenierung von Sven-Eric Bechtolf ins Haus am Ring zurückkehrt (Premiere: 26. Jänner). Da machte die Irin zuletzt im Oktober bella figura als Rosina im „Barbier von Sevilla“ – und fühlte sich in dieser Partie sichtlich wohl: „Obwohl ich unglaublich nervös war“, erinnert sich die Mezzosopranistin an ihr Hausdebüt.

Rossini-Märchen

Jetzt also die Angelina. Sie hat die hochvirtuose Titelpartie von „La Cenerentola“, der Story vom Aschenputtel, ihren bösen Schwestern, ihrem vertrottelten Vater und ihrer ewigen Sehnsucht nach Glück, bereits in Hamburg gesungen. Und in München als Ensemble-Mitglied der Bayerischen Staatsoper.

„I love it!“ Das Aschenputtel sei ihre „absolute Lieblingsrolle“, passt sie doch in ihre sorgfältige Repertoire-Gestaltung mit im Moment vor allem zwei Schwerpunkten: Mozart – da bezauberte sie bereits als Cherubino – und Rossini.

„Nach Rossini-Rollen bin ich geradezu süchtig. Seine Musik ist ideal für meine Stimme“, sagt die Erraught im KURIER-Gespräch. Und Rollenangebote, die zu früh kommen, lehnt sie ab.

Außer in Notfällen. Tara Erraught hatte gerade erst als unartiger Bub in kurzen Hosen und mit roten Haaren in Ravels „L’Enfant et les Sortilèges“ in München unter der Leitung von Kent Nagano überzeugt, als sie im März 2011 für ihre plötzlich erkrankte Kollegin Vesselina Kasarova in der Neuproduktion von Bellinis „I Capuleti e i Montecchi“ als Romeo eingesprungen ist.

„Wahrscheinlich kam die Partie noch zu früh für mich“, sagt Tara Erraught im Rückblick. „Aber das war sicher eine Ausnahmesituation, wie man sie nicht oft erlebt. Man bat mich, die Partie, die ich bis dahin nicht kannte, in der Bühnenprobe aus dem Orchestergraben zu singen.“

Ohne vokales Lametta

Als die Kasarova mit einer Lungenentzündung endgültig ausgefallen war, blieben nur noch wenige Tage bis zur Premiere: „Eine Zitterpartie, aber alle waren wunderbar und haben mir geholfen.“

Die Premiere wurde ein Riesenerfolg und brachte der Sängerin, die den Abend mit Chuzpe gemeistert hatte, Jubelkritiken:

„So wie die Irin singt, springen einem beste Prognosen aus jeder Note entgegen. Ohne Umschweife, ohne vokales Lametta kommt diese Sängerin zum Ziel: Welch eine klare, natürliche Gestaltung! Welch schon jetzt verblüffender Sinn für feine Nuancierungen und Phrasenkontrolle! Und gerade in den lyrischen Szenen, im ersten Auftritt Romeos oder in der Sterbeszene, gelingen Tara Erraught kleine Wundermomente.“

Ihre Vorbilder unter den Edelkehlen? Cecilia Bartoli, „weil sie sich für Musik engagiert, die sonst niemand singen wollte“. Außerdem bewundert sie – neben Joan Sutherland – die Amerikanerin und gefeierte Händel- und Rossini-Interpretin Joyce DiDonato für ihre „wunderbar fließenden Verzierungen. Ich dachte: Wann atmet sie? – And she tells a story!“

„Eine Story mit der Stimme erzählen“ ist ihr auch selber das Wichtigste: „Ich will am – hoffentlich – glücklichen Ende meiner Gesangskarriere einmal sagen können: Ich habe den Leuten viele Geschichten erzählt. Und es ist mir gelungen, sie zu berühren – stimmlich oder darstellerisch.“

In München spielt sie in Kürze eine weitere Titelrolle in einer Neuproduktion: den Hänsel in Humperdincks „Hänsel und Gretel“ in einer Inszenierung von Richard Jones (Premiere: 24. März).

Im September wird sie im Theater an der Wien mit Diana Damrau in einer Opernuraufführung des jungen Briten Iain Bell auftreten: „A Harlot’s Progress“ („Der Werdegang einer Dirne“) basierend auf Radierungen von William Hogarth. Und 2014 in Glyndebourne erstmals als Octavian im „Rosenkavalier“ von Strauss.

Aschenputtel-Oper

 

Neuproduktion
Rossinis „La Cenerentola“, 1817 in Rom uraufgeführt, ist eine der schönsten Belcanto-Opern über- haupt. Premiere in der Regie von Sven-Eric Bechtolf: 26. Jänner (19.30 Uhr) in der Staatsoper.

Besetzung
Tara Erraught ist die Angelina, Dmitry Korchak der junge Prinz Ramiro, Vito Priante dessen Diener Dandini, Alessandro Corbelli Angelinas böser Stiefvater Don Magnifico und Ildebrando D’Arcangelo der Philosoph Alidoro. Es dirigiert Jesús López-Cobos.

Link: www.staatsoper.at

(KURIER) Erstellt am
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