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Kultur
09/18/2012

Bildhauer Avramidis mit Ausstellung im KHM

Dem griechischen Künstler Joannis Avramidis ist momentan eine Ausstellung in der Antikensammlung des Kunsthistorischen Museums gewidmet.

von Michael Huber

Die Figuren, die im hohen Gras vor Joannis Avramidis’ Atelier stehen, sehen aus, als wären sie immer schon da gewesen. Regenwasser sammelt sich in den Nischen jener enormen Plastik, die eigentlich "Humanitas-Säule" heißt und ursprünglich senkrecht aufgestellt werden sollte. "Ist mir persönlich zu mühsam", sagt Avramidis und zuckt mit den Schultern. Auch er ist lange hier gewesen.

Am 26. September wird der wohl bedeutendste lebende Bildhauer Österreichs 90 Jahre alt. Von 19. September bis 4. Oktober findet im Wiener Kunsthistorischen Museum (KHM) eine Ausstellung statt, die die Werke des in Georgien geborenen Griechen neben Skulpturen aus der Antikensammlung zeigt. Kulturministerin Schmied verleiht dem Künstler am Abend der Ausstellungseröffnung das "Große Goldene Ehrenzeichen mit dem Stern". Den Großen Österreichischen Staatspreis hatte Avramidis schon 1973 erhalten.

Zeitlos

Trotz vieler einschlägiger Erfolge – Avramidis war auch bei der Venedig-Biennale (1962) und der Documenta Kassel (1974 und ’77) vertreten – wäre der Bildhauer als "zeitgenössischer Künstler" nur unzureichend beschrieben. Avramidis bewegt sich auf einer anderen Umlaufbahn der Kunstgeschichte, er bezieht sich auf antike Bildhauerei, auf den Renaissancekünstler Piero della Francesca und auf den deutschen Maler Hans von Marées (1837–1887). In dem vollgeräumten Atelierbau, in dem Avramidis bis heute mit seinen Skulpturen, Zeichnungen und Malereien unter einem Dach lebt ("ein Bildhauer braucht eine Halle", sagt er), sind Form-Ideen gestapelt, die sich nicht im Takt schneller Kunst-Moden entwickeln konnten.

Wenn Avramidis – langsam, bedächtig – durch den Skulpturenpark vor seinem Atelier führt, tut sich die Tür seines Ideengebäudes ein Stück weit auf. Von der doppelköpfigen Figur, die nach Avramidis’ Studium bei Fritz Wotruba (1953–’56) entstand, führt der Weg zu den typischen reduzierten Gestalten, die gebündelt zu runden Grüppchen, gestapelt zu Säulen, versammelt in Reihen auftreten: "Polis", wie die antike Gemeinschaft, ist ein solches Werk betitelt.

"Ich stelle alle Menschen gleich, ich will sie als Brüder haben", sagt Avramidis, der 1943 als Fremdarbeiter nach Wien kam. Die Gleichschaltung der Menschen im Dritten Reich sieht er als Pervertierung der Polis-Idee, Nazis als "missratene Menschen".

Ganzheitlich

Anders als bei vielen modernen Bildhauern – etwa dem einstigen Ateliernachbar Hrdlicka – fanden die Brüche der Geschichte kaum Eingang in Avramidis’ Werk: "Dieses versehrte Bild des Menschen behagte mir absolut nicht", sagt er. "Unversehrt" würde er sein Bild aber auch nicht nennen – stecken seine vielfach ineinander geschobenen Formen doch auch voller Widersprüche und Mehrdeutigkeiten. Es sind Stehende, Schreitende, Janusköpfige, die heute zahllose Plätze und Parks bevölkern.

Einige Plastiken sind im Ateliergarten geblieben. Neben ihnen stehen unfertige Marmorskulpturen von Avramidis’ Frau Annemarie: Auch sie teile die "verrückte Liebe" zur Antike, sagt der Künstler. Er blickt auf den grob behauenen Block, dann auf die polierte Figur dahinter. "Schauen Sie selbst, welche Bandbreite da möglich ist."

Ausstellungen: Avramidis in Wien

Künstler Joannis Avramidis, 1922 in Batum/Georgien geboren, kam 1943 nach Wien. Von 1968–1992 leitete er eine Meisterklasse an der Akademie der Bildenden Künste.

KHM: Bis 4.11. sind in der
Antikensammlung Werke des Bildhauers zu sehen; Die Skulptur „Polis“ ist vor dem Museum aufgestellt. www.khm.at

Galerie: Die Galerie bei der Albertina zeigt von 17.10. bis 2. 2. 2013 eine umfassende Avramidis-Schau.
www.galerie-albertina.at

Buch: Werner Hofmann. Avramidis. Der Rhythmus der Strenge. Erschienen im Hirmer Verlag, 39,90 Euro.

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