Kultur
29.12.2011

Bewerber für Pelinkas ORF-Job gesucht

Niko Pelinka droht die Joblosigkeit. Den alten ÖBB-Posten hat er gekündigt – die neue ORF-Funktion zieht sich.

Die Posse um die Kür des Chefs der SPÖ-Stiftungsräte Niko Pelinka zum neuen Bürochef des ORF -Generaldirektors Alexander Wrabetz wird immer skurriler: Am Mittwoch (28. Dezember) wurde die Ausschreibung des Postens in der Wiener Zeitung nachgereicht. Es handelt sich um eine Redakteursstelle in der Verwendungsgruppe 16 (von insgesamt 18).

Kurios: An Kenntnissen oder besonderen Fähigkeiten wird in der Ausschreibung nichts (!) verlangt. Es gibt keinerlei Anforderungsprofil zum Job des Büroleiters eines ORF-Generaldirektors. Die Bewerbungsfrist endet am 10. Jänner.

Pelinka hat seinen ÖBB-Job bereits gekündigt

Niko Pelinka scheint sich jedenfalls sicher zu sein, dass er diesen Job bekommt: Der 25-jährige Ex-Ministersprecher hat bereits gekündigt und ist damit ab 31. 12. auch Ex-ÖBB-Mitarbeiter. „Das war von mir so geplant, damit ich mich auf meinen neuen Posten vorbereiten kann“, erklärte Pelinka dem KURIER. Übrigens: Sein ÖBB-Posten (Public Affairs) wird nicht nachbesetzt.

So dürfte Pelinka ab 1. Jänner ohne Job sein. Denn die Bestellung als Wrabetz-Bürochef könnte sich noch Wochen ziehen.

So dürfte Pelinka ab 1. Jänner ohne Job sein. Denn die Bestellung als Wrabetz-Bürochef könnte sich noch Wochen ziehen. Groteske Der ORF sucht nun also mit der Ausschreibung Bewerber für jene Stelle, die – früher oder später – Niko Pelinka erhalten soll. Bereits am 23. Dezember war ja per ORF-Aussendung bekannt gegeben worden: „Neuer Büroleiter wird der bisherige Stiftungsrat Nikolaus Pelinka.“ Jetzt wird sich Pelinka, der den Stiftungsrat mit Schreiben vom Montag zurückgelegt hat, auch dafür bewerben. Absurdität am Rande: Jener Posten, den der bisherige Wrabetz-Büroleiter neu übernehmen soll, ist bis dato auch nicht ausgeschrieben. Gleiches gilt zudem für den Job des stv. Technik-Direktors, den der Online-Direktor Thomas Prantner einnehmen soll, und andere bereits bekannt gegebene Jobs. Für die Vertreter der ORF-Journalisten ist das alles nur mehr ein schlechter Scherz. „Wir werden alle Möglichkeiten, die uns das ORF-Gesetz und das Redakteursstatut einräumen, nutzen“, erklärte Redakteursvertreter Fritz Wendl. Gleichzeitig formiert sich unter ORF-Mitarbeitern via Twitter und Facebook der Widerstand gegen die Groteske an der ORF-Spitze (siehe rechts).

Groteske

Der ORF sucht nun also mit der Ausschreibung Bewerber für jene Stelle, die – früher oder später – Niko Pelinka erhalten soll. Bereits am 23. Dezember war ja per ORF-Aussendung bekannt gegeben worden: „Neuer Büroleiter wird der bisherige Stiftungsrat Nikolaus Pelinka.“ Jetzt wird sich Pelinka, der den Stiftungsrat mit Schreiben vom Montag zurückgelegt hat, auch dafür bewerben.

Absurdität am Rande: Jener Posten, den der bisherige Wrabetz-Büroleiter neu übernehmen soll, ist bis dato auch nicht ausgeschrieben. Gleiches gilt zudem für den Job des stv. Technik-Direktors, den der Online-Direktor Thomas Prantner einnehmen soll, und andere bereits bekannt gegebene Jobs.

Für die Vertreter der ORF-Journalisten ist das alles nur mehr ein schlechter Scherz. „Wir werden alle Möglichkeiten, die uns das ORF-Gesetz und das Redakteursstatut einräumen, nutzen“, erklärte Redakteursvertreter Fritz Wendl. Gleichzeitig formiert sich unter ORF-Mitarbeitern via Twitter und Facebook der Widerstand gegen die Groteske an der ORF-Spitze.

Verstöße

Aus Sicht der Redakteure sind bisher schon Verstöße gegen das ORF-Gesetz sowie das Arbeitsverfassungsgesetz begangen worden bzw. drohen sie. In einem Schreiben teilen sie deshalb ORF-General Wrabetz mit: „Wir machen Sie darauf aufmerksam, dass die ORF-JournalistInnen es nicht hinnehmen werden, wenn ihre gesetzlichen Rechte, sich um (Führungs-)Position zu bewerben, und ihre gesetzlichen Mitwirkungsrechte bei Struktur- und Personalentscheidungen eingeschränkt werden.“

Im Raum steht damit ein Vorgehen bei der Medienbehörde KommAustria, die für die Rechtsaufsicht des ORF zuständig ist. Klagen könnten die Redakteure, potenzielle oder dann abgelehnte Bewerber oder auch (mindestens 160) Gebührenzahler, die der Meinung sind, dass das ORF-Gesetz verletzt wurde.

Auf Pelinka kommt eine bange Zeit des Wartens zu: Bei Posten leitender Redakteure haben die Redakteurssprecher ein großes Mitspracherecht – das bei Pelinkas Vorgängern aber nicht genutzt wurde. Durch das ORF-interne Prozedere mit Assessment-Center, Redakteursabstimmung u. ä. wäre ein Antrittsaufschub gar bis März denkbar. Und auch dann kann sich der Rudas-Intimus nicht sicher sein, ob nicht Klagen den Verbleib im 6. Stock des ORF-Zentrums verunmöglichen.

Bemerkenswert: Seit dem Wochenende gibt es keine Reaktionen von Parteien zur Causa ORF-Personalpaket. Weder von SPÖ, ÖVP, FPÖ, BZÖ noch von den Grünen.

Alexander Wrabetz plädierte gegenüber der APA bei der Büro-Chef-Frage, „die Kirche im Dorf“ zu lassen. Es gehe nicht um Direktoren, sondern um die persönliche Organisation seines Büros.

Twitter: So öffentlich war noch kein ORF-Streit

Das ist wohl bisher keinem Privatsender-Redakteur passiert: Öffentlich von „ZiB“-Moderator Armin Wolf dazu aufgefordert zu werden, sich beim ORF zu bewerben. Noch dazu sorgfältig verpackt in einen Seitenhieb auf Niko Pelinka. „Sie sind als ,RedakteurIn‘ jedenfalls wesentl. qualifizierter als andere Kandidaten ( Standard - + chilli.cc -Praktikum)“, schrieb Wolf an ATV -Redakteur Martin Thür auf dem Kurznachrichtendienst Twitter.

Dort kann man 140 Zeichen lange Mitteilungen – ähnlich wie SMS – austauschen. Und seit dem Bekanntwerden von Pelinkas Kür zum Bürochef von ORF -General Wrabetz machen ORF -Redakteure auf Twitter (www.twitter.com) ihrem Unmut Luft.

So hat etwa Redakteurssprecher Dieter Bornemann ein Foto der KURIER-Titelseite über Twitter versendet, auf der der ORF -Politstreit thematisiert wurde. Wolf und Bornemann plädieren für möglichst viele Bewerber auf Pelinkas Posten. Auch auf Facebook kursiert ein dahingehender Aufruf.

Die Redakteure lassen so die Öffentlichkeit in einem Ausmaß an dem Konflikt teilhaben, das bisher unerreicht war: Die ZiB-Redakteure seien „wütend“, schrieb Wolf, der auch mit einem (privat twitternden) Faymann-Mitarbeiter öffentlich diskutierte – und dessen Aussage, ob Pelinka etwa „Berufsverbot aus Gesinnungsgründen“ habe, als „geschmacklos“ bezeichnete. Pelinka selbst ist auch auf Twitter. Seine letzte Meldung stammt vom 1. Dezember.

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