Kultur
27.09.2017

Beth Ditto: Solo verletzlich statt kämpferisch

Die 36-Jährige spricht über das Ende von Gossip, ihr neues Eheleben und Zukunftsängste.

"Man hat gern gedacht, Trump ist eine Witzfigur. Aber jetzt ist er gewählt! Und wie geht es jetzt weiter? "

Beth Ditto bricht ab. Sie hat keine Antwort. 2005 schrieb sie mit ihrer Band Gossip den Song "Standing In The Way Of Control". Der Aufruf, weiter für das Recht auf gleichgeschlechtliche Ehe zu kämpfen, machte die als Mary Beth Patterson im US-Bibel-Gürtel geborene Sängerin weltweit berühmt.

Seit damals ist die bekennende Lesbe Symbolfigur der LGBT-Community, steht für Feminismus und gegen Diskriminierung.

"Für jemanden wie mich", sagt sie deshalb im Interview mit dem KURIER, "ist Trump absolut furchteinflößend. Als er gewählt wurde, bin ich für einige Zeit in eine tiefe Depression gefallen. Jeden Tag geht es nur um den Blödsinn, den er heute wieder gesagt hat, und es war auf einmal klar, dass es mit der Vorstellung, dass die Welt besser wird und wir Rassismus und Sexismus überwunden haben, vorbei ist."

Obwohl Ditto all das immer noch ein großes Anliegen ist, bleibt sie in ihrem ersten Solo-Album "Fake Sugar" weitgehend unpolitisch. Denn die letzten Jahre waren für sie von einschneidenden privaten Veränderungen bestimmt, die die Themen der neuen Songs bestimmen.

Zunächst löste sie Gossip auf: "Das war sehr hart. Denn ich liebe diese Typen, vor allem Nathan Howdeshell. Wir haben seit Teenagertagen alles gemeinsam gemacht." Doch nach 16 Jahren machte Gossip keinem in der Band mehr Spaß: "Wir waren wilde Typen. Aber das sind wir nicht die ganze Zeit und auf Kommando. Wir wollten das nicht mehr vorspielen, um ein Image zu erfüllen."

Unabhängig

Andere der neuen Songs handeln von Dittos Verletzlichkeit und Unsicherheit, "die rauskommen, wenn es um die Menschen geht, die ich liebe". 2013 heiratete Ditto ihre langjährige Freundin Kristin Ogata. Aber das erste Ehejahr war schwierig.

"Ehe bedeutet Kompromisse. Ich war aber immer eine unabhängige Person. Da macht es psychologisch etwas mit dir, wenn du weißt: Dazu habe ich mich für den Rest des Lebens verpflichtet. Und als Lesben haben wir keine Vorbilder, an denen wir uns orientieren könnten."

Musikalisch geht Ditto in Richtung Pop, lässt sanfte Country-Einflüsse hören: "2011 starb mein Vater. Das hat mich daran erinnert, wie ich als Kind mit ihm in Honky-Tonk-Kneipen Country getanzt habe. Ich bin nostalgisch bezüglich meiner Wurzeln geworden – natürlich ohne zu vergessen, dass in Arkansas immer noch herrscht, wovor ich mit Nathan geflohen bin: Eine gottesfürchtige, rassistische, homophobische Engstirnigkeit!"

Ist das seit Trump schlimmer geworden? "Dort war es immer schlimm", sagt sie, schöpft dann aber Hoffnung: "Rassismus und Sexismus waren überall immer da. Aber durch Trump, der sich keine Spur geniert zu diskriminieren, merken jetzt auch Weiße und Heterosexuelle, die früher nie darüber nachdenken mussten, wie schlimm das ist. Sie sehen, dass es kein Zufall, sondern das Ziel gewisser Leute ist zu unterdrücken. Sie wachen endlich dafür auf, weil sie selbst die Effekte spüren."

INFO

Beth Ditto tritt am 28. September in der Wiener Arena auf. Restkarten für das Konzert gibt es an der Abendkasse.