Kultur
27.06.2017

Beth Ditto: Glühende Liebe statt Politik

Ex-Gossip-Frontfrau Beth Ditto startet nach dem Split der Band solo

"Es war wie meine Scheidung", sagt Beth Ditto, wenn sie sich an das Ende von Gossip erinnert. "Es war die Trennung von den Lieben meines Lebens. Die Leute in der Band – das waren die längsten Beziehungen, die ich je hatte."

2016 löste sich die amerikanische Punk-Disco-Formation auf, die 2009 mit dem Hit "Heavy Cross" berühmt wurde. "Nach fünf Jahren war keiner mehr mit dem Herzen dabei", erzählte Ditto der britischen Tageszeitung The Guardian. "Außerdem ist Gitarrist und Bassist Nathan Howdeshell nach Arkansas auf die Farm seiner Eltern zurückgezogen. Er ist mein ältester Freund. Wir sind dort gemeinsam aufgewachsen und haben gegen diesen Lebensstil rebelliert. Es hat sich angefühlt, als würde ich meinen besten Freund wegen eines Rückfalls verlieren."

Munter

Das hat die 36-Jährige jetzt aber überwunden. Soeben ist ihr erstes Solo-Album "Fake Sugar" erschienen. Munter mischt sie dabei Soul, Funk, Disco, Pop, Rock und Blues zu einer Platte, die voll ist mit Ohrwurm-Melodien und Songs, die – obwohl sie in der Struktur der Bässe und Gitarren häufig an "Heavy Cross" erinnern – durch Dittos leidenschaftlichen Gesang durchwegs frisch und einnehmend klingen.

"Ich wollte kein Soul-Album machen, wie das jetzt so viele tun", erklärte sie der New York Times. "Ich wollte nichts Cooles, sondern tolle Gitarrenriffs und schöne Klänge, die Spaß machen."

Das ist Ditto mit "Fake Sugar" gelungen. Mit sozialen Kommentaren hält sich die als Mary Beth Patterson geborene Amerikanerin dabei aber zurück – obwohl sie mit den rebellischen, politischen Gossip-Songs auch zu einer Ikone von Übergewichtigen, Feministinnen und der LGBT-Community geworden war.

Heute singt Ditto lieber über glühende Liebe (seit 2013 ist sie mit ihrer Kindheitsfreundin Kristin Ogata verheiratet), aber auch schonungslos über die Schwierigkeiten in der Ehe. "Es geht häufig um die Unsicherheit, die kommt, wenn man verheiratet ist. Darum, wie beängstigend es sein kann, jemandem dein ganzes Leben anzuvertrauen. Mit der derzeitigen US-Regierung und dem momentanen politischen Zustand der Welt – all das fühlt sich so überwältigend an, dass ich gar nicht wüsste, wo ich beginnen sollte. Da fehlen mit ehrlich die Worte."