Kultur
24.05.2012

Belvedere präsentiert neue Klimt-Gemälde

Das Wiener Museum präsentierte am Freitag eine bedeutende Schenkung. Unter den Bildern befinden sich "Sonnenblume" und "Familie" von Gustav Klimt.

Am Freitagmorgen gaben Belvedere-Direktorin Agnes Husslein-Arco und Kulturministerin Claudia Schmied (SPÖ) im Rahmen einer Pressekonferenz eine "außergewöhnliche und hochbedeutende Schenkung an das Belvedere" bekannt. Es handelt sich dabei um die beiden Gemälde "Sonnenblume" (1907) und "Familie" (1909/10) von Gustav Klimt, die nach dem letzten Willen des verstorbenen Sammlers Peter Parzer dem Museum überlassen werden. Husslein-Arco sprach vom "bedeutendsten Sammlungszuwachs eines Bundesmuseums in der Geschichte der zweiten Republik."

Erfreut über den Sammlungszuwachs zeigte sich auch Schmied. Sie sprach von "einem Festtag für die Kunst" und lobte Agnes Husslein und ihr Team dafür, über viele Jahre Vertrauen zum Kunstliebhaber Peter Parzer aufgebaut zu haben. Der Spross einer Wiener Gastronomenfamilie, die u.a. den "Dominikanerkeller" in der Wiener Innenstadt betrieb, war selbst im Export- und Versicherungsbereich tätig und war nach seiner Pensionierung ständiger Gast im Belvedere gewesen. Im November 2010 starb er kinderlos. Neben den beiden Klimt-Gemälden, die Peter Parzer von seinem Vater Richard geerbt hatte, vermachte er dem Belvedere noch weitere Bilder, darunter 50 Werke des Wiener Malers Gerhart Frankl, dessen Werk Parzer zeitlebens sammelte und erforschte.

Belvedere hat nun 24 Klimt-Gemälde

Durch den Sammlungszuwachs erhöht sich der Klimt-Bestand des Belvedere auf insgesamt 24 Gemälde. Die "Sonnenblume" war bis vor kurzem als private Leihgabe in der Ausstellung "Gustav Klimt/Josef Hoffmann - Pioniere der Moderne" im Unteren Belvedere zu sehen gewesen. Klimt hatte das Bild 1907 bei seinem letzten Sommeraufenthalt in Litzlberg am Attersee gemalt. Im selben Garten, in dem er das Vorbild für die Blume fand, ließ er auch seine Lebensgefährtin Emilie Flöge posieren. Die Gestalt der Sonnenblume, erklärt Klimt-Experte und Belvedere-Vizedirektor Alfred Weidinger, könne durchaus mit Emilie Flöge in Verbindung gebracht werden - die Blume wäre demnach ein verschlüsseltes Porträt. In der Form erinnert die Blume auch an das Monumentalwerk "Der Kuss", das im folgenden Jahr entstand.

Das Bild "Familie"(1909/`10) wurde zuletzt im Jahr 2000 in der "Klimt und die Frauen"-Ausstellung im Belvedere gezeigt. Das Bild - es kursierte auch unter anderen Titeln wie "Mutter mit Kindern" oder "Die Flüchtlinge" - sollte mit seiner dunklen Farboberfläche, aus der die Gesichter klar konturiert hervorblitzen, Egon Schiele stark beeinflussen. Wer genau auf dem Bild dargestellt ist, weiß man laut Weidinger noch nicht - "aber es wird gelingen, sie auch zu identifizieren".

Den Wert der von Parzer vermachten Sammlung wurde nicht genauer beziffert - Wolfgang Peschorn, der Präsident der mit der Verlassenschaftsabhandlung befassten Finanzprokurator, sprach lediglich von einem „zweistelligen Millionenbetrag“. Das Gemälde "Litzlberg am Attersee" hatte 2011 bei einer Auktion in New York 26,16 Mio. Euro eingebracht. Bei den nun ins Belvedere gelangten Werken sprach Experte Weidinger von "Schlüsselwerken" für Klimts Entwicklung.

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