Kultur
24.05.2017

Belvedere: Heimathafen fürs Afterwork-Bier

Stella Rollig und Wolfgang Bergmann sind das neue Führungsduo und haben große Pläne – etwa fürs 21er Haus als „sozialen Hotspot“

Ein Wechsel der Geschäftsführung bringt einiges mit sich, darunter neue Arbeitsplätze. Das Belvedere sucht derzeit Leitungen für die Abteilungen Marketing, digitale Aktivitäten, Research Center, Bauprojekte & Infrastruktur. Rekrutiert werden zudem Fachkräfte für Controlling und Grafik, ein Kurator mit dem Schwerpunkt „Wien um 1900“ (als Ersatz für Alfred Weidinger, der als Direktor nach Leipzig berufen wurde) sowie kuratorische wie organisatorische Assistentinnen und Assistenten.

Wie viele Mitarbeiter das Museum in den letzten vier Monaten, also seit Beginn der Generaldirektion von Stella Rollig Mitte Jänner, verlassen hätten? Das konnte Wolfgang Bergmann, der neue kaufmännische Geschäftsführer, bei der Pressekonferenz am Dienstag nicht genau sagen. Eine Handvoll etwa.

Aber er wollte ohnedies nicht über harte Fakten reden. Rollig sollte unter dem Motto „Museum neu denken. Museum neu erleben“ die „Leitlinien“ für die nächsten fünf Jahre darlegen dürfen. Sie beschwor das Belvedere als „Kraftort, der dazu einladen soll, innezuhalten und in Dialog mit der Kunst zu treten“. Der „Dialog zwischen Kunstwerk und Betrachter“ sei „ein Instrument der Welt- und Selbsterkenntnis“.

„Fitnessprogramm“

Rollig kündigte u. a. eine Neuhängung der Sammlung an. Denn das Obere Belvedere funktioniere perfekt als Tourismusort, nicht aber als Museum. Es brauche neue Abläufe in der Besucherführung, umfassende Informationen über Kunstwerke und Werkkontexte. Bergmann ergänzte, dass es eigentlich ein „Fitnessprogramm“ brauche: Das barocke Schloss sei nicht für 800.000 Besucher pro Jahr ausgelegt, man müsse den gesamten Themenkomplex Zutritt, Ticketverkauf, Sicherheit, Garderobe, Nassräume und Gastronomie sowie die Klima- und Computertechnik neu konzipieren. Bergmann, der aus der Privatwirtschaft kommt, forderte nicht mehr Steuergeld, er will einen Teil der Gewinne, die das Obere Belvedere als Cashcow der „Gesamtgruppe“ abwirft, „reinvestieren“.

Der Anfang ist bereits getan: Rollig wie Bergmann haben neue Büros bezogen, auch Gemeinschaftseinrichtungen (Küche, Toiletten) wurden saniert. Dass die Kosten – laut Gerücht – von 160.000 auf 250.000 Euro explodiert seien, verneinte Bergmann. Es sagte: „Es gibt keine Überschreitungen.“

„Zukunftsgebiet“

Das Untere Belvedere bleibt der von Vorgängerin Agnes Husslein-Arco etablierte Ort der Wechselausstellungen, Rollig will dort aber keine zeitgenössische Kunst mehr zeigen. Und für das 21er Haus kündigt sie eine Neukonzeption an – als „lebendige Kunsthalle“, als „ Heimathafen“ der Wiener Kunstszene und „sozialer Hotspot in einem urbanen Zukunftsgebiet“. Die Gastronomie soll vom Keller ins Erdgeschoß übersiedeln, damit man gemütlich sein „Afterwork-Bier“ schlürfen kann – im zum Gastgarten adaptierten Skulpturenpark.

Eine Einbeziehung der Parkanlagen ist auch im Falle des Belvederes angedacht. Rollig will u. a. den Kammergarten für Experimente wie Freiluftkino und Bar-Lounge-Betrieb nutzen.

Ihre Einstellung zum Winterpalais, das künftig nicht mehr vom Belvedere bespielt werden wird, haben Rollig und Bergmann schlagartig geändert. Noch am 10. Mai sagten sie zur APA: „Wir haben ein Gespräch mit dem Finanzminister geführt und unser Interesse am Winterpalais deponiert. Wenn es museal bespielt wird, muss es Teil des Belvederes sein – das ist die einzig schlüssige Lösung.“ Am 23. Mai meinten sie, dass die Entscheidung vor ihrer Bestellung gefallen sei, sie hätten diese zur Kenntnis genommen.