Kultur
10.05.2017

Belvedere: "Es war Gefahr im Verzug"

Die neue Direktorin Stella Rollig und der kaufmännische Direktor Wolfgang Bergmann: Essl-Sammlung an Albertina "war falsch"

Für die neue Leitung des Belvedere gab es "keine Schonfrist, weil in manchen Dingen praktisch Gefahr im Verzug war": Das sagte der kaufmännische Direktor Wolfgang Bergmann im gemeinsamen APA-Interview mit Direktorin Stella Rollig über den Start im Museum. Gemeint sind dabei jedoch andere Aspekte, als man nach dem Wirbel um die Nichtverlängerung der ehemaligen Direktorin Agnes Husslein erwarten könnte: Bergmann bezieht sich dabei auf Änderungen im Eingangsbereich und den Stand der Renovierungsmaßnahmen im Haus.

"Das Obere Belvedere ist ein großer Publikumsmagnet und ein Wahrzeichen. Deshalb müssen wir unsere Infrastruktur mit den steigenden Besucherzahlen nachrüsten. Hier ist an allen Ecken und Enden Handlungsbedarf. Da sind große Lösungen gefragt, weil viele der bisherigen Maßnahmen im Renovierungs- oder Klimabereich nie ganzheitlich gedacht wurden. Bei der Klimasteuerung sind die Dinge nicht aufeinander abgestimmt. Auch das Thema, wie die Menschen ins Haus kommen, muss neu gedacht werden", sagt er.

Essl-Deal mit Albertina "falsch"

Dass die Albertina die Sammlung Essl übernommen hat, hält Rollig für falsch. Ob sie sie gerne gehabt hätte? "In Bausch und Bogen nicht unbedingt. Es hätte im Einvernehmen der betreffenden Museumsdirektorinnen und des Direktors - also von Karola Kraus, Klaus Albrecht Schröder und mir - ein Konzept für die Zukunft der Sammlung erarbeitet werden müssen. Da werden Sie jetzt keine Lösung von mir hören. Aber die Sammlung in toto als Dauerleihgabe staatlich zu übernehmen und der Albertina zuzuschlagen, halte ich für falsch." Bergmann hofft auf künftige Verbesserungen, etwa durch die neugeformte Bundesmuseenkonferenz: "Das Essl-Beispiel hat mit Kooperation überhaupt nichts zu tun, sondern ist das Gegenteil davon. Insofern ist zu hoffen, dass das ein einmaliger Vorgang war."

Pläne für die Museen

Rollig: "Nach dem jetzigen Stand unserer Überlegungen wollen wir die Wechselausstellungen im Unteren Belvedere belassen, jedoch die Epochenzuteilung schärfen. Ich möchte im Unteren Belvedere Kunst bis zum Ende des 2. Weltkriegs zeigen und die Post- und Zweite Moderne ab den 1950er-Jahren bis zur Gegenwart dem 21er Haus vorbehalten. Die Ausstellungen im Unteren Belvedere werden sich mehr aus der Forschung heraus generieren. Da muss dann auch nicht jede Schau als Blockbuster angelegt werden. Wir werden uns etwa 2018 in einer Sonderausstellung Gustav Klimt zum 100. Todesjahr widmen. Diesmal werden wir aber nicht seine Goldene Epoche feiern, sondern darauf schauen, wie sich damals die jungen Künstlerinnen und Künstler von ihm inspirieren ließen."